18. September 2018
Szene-News

20 Jahre Schwanensee – ein Interview mit Geschäftsführer Christian Lemke

„Das ist ein Teil meines Herzens“

Richtig. Wir hatten mal so einen Slogan: „Schwanensee, heiraten, Haus bauen“. Ich kenne ganz viele Leute, die sich hier kennengelernt und später geheiratet haben. Ich selbst habe meine Frau hier kennengelernt. DJ Herbie Herbsen hat seine Frau hier kennengelernt. Ganz viele Leute haben hier ihren Partner für´s Leben gefunden. Im Schwanensee kann man sich verlieben. Wo kann man das heute noch (lacht)?!

Der Eingang zum Schwanensee im Partyturm am Gieseler 3. Foto: Paul Grumer
Der Eingang zum Schwanensee im Partyturm am Gieseler 3. Foto: Paul Grumer

Wie und warum hat sich der Club über die Jahre gewandelt?

Er hat sich natürlich durch die Konkurrenz gewandelt. Als es das „42Fieber“ gab, war das Schwanensee plötzlich nicht mehr der „First Club In Town“. Man musste zusehen wo man bleibt, welche Nischen man sich sucht. So hat sich das gewandelt: Das Publikum wurde jünger, wir haben verstärkt auf die Mottopartys gesetzt. Uns verbindet aber auch ein starker Lokalpatriotismus – sprich zu Eintracht Braunschweig, Wolters, Jägermeister. Diese Veränderungen waren damals nötig, weil uns ein Teil des Publikums weggebrochen ist. Das ist auch der Grund, warum wir jetzt diesen Umbau gemacht haben: Damit wir auch die Leute, die hier groß geworden sind und das Ambiente von früher noch kennen, wieder eingefangen kriegen. Wir wollen zurück zu den Wurzeln, wollen das alte Schwanensee-Flair wieder zum Leben erwecken.

„Das Ding liegt mir am Herzen.“

Ist das Schwanensee ein persönlicherer Club?

Absolut. Ich würde schon sagen, dass das hier eine Institution ist. Ich kenne viele Gäste persönlich, wir haben jede Woche viele Stammgäste hier. Ich bin ja auch immer vor Ort, das Ding liegt mir am Herzen. Es war immer mein Traum, den Laden mal zu übernehmen und zu führen. Unsere Tür-Jungs und Bar-Mädels arbeiten alle sehr lange hier, teilweise seit zehn Jahren. Da entsteht eine Bindung, das ist schon alles sehr familiär.

Was fasziniert dich an deinem Job?

Als ich mit 18 Jahren das erste Mal ins Schwanensee reingekommen bin, hatte ich so eine Art „Offenbarung“ (lacht). Alle fanden meinen Bruder cool und da habe ich gedacht: „Ey, das will ich auch“. Das macht mir Spaß, ich bin ein kommunikativer Typ, rede gerne mit Leuten und feiere auch gerne. Ich fand das Ganze vom ersten Moment an faszinierend, das hat mich geflasht.

Standest du im Schatten deines Bruders?

Ich würde lügen, wenn ich sage, es wäre nicht so. Mein Bruder ist eine Institution und eine feste Größe in Braunschweig. Das hat mir viele Türen geöffnet und Kontakte eingebracht. Man wird aber lange Zeit auch nur wahrgenommen als der kleine Bruder – das hat Vor- und Nachteile. Am Anfang fand ich das noch cool, weil ich in jede Disko reingekommen bin und mich alle nett behandelt haben. Aber irgendwann möchte man auch einen eigenständigen Charakter entwickeln. Tim steht nach wie vor geschäftlich an meiner Seite und hilft mir bei allem. Er hat auch in diesen Umbau viel Liebe und Zeit hineingesteckt. Ich möchte auch in Zukunft weiter mit ihm zusammenarbeiten, aber eben auch als eigenständiger Unternehmer wahrgenommen werden.

Der Stammplatz vom Chef: Am Eingang begrüßt Christian Lemke das Partyvolk. Foto: Paul Grumer
Der Stammplatz vom Chef: Am Eingang begrüßt Christian Lemke das Partyvolk. Foto: Paul Grumer

Was macht einen guten Gastgeber aus?

Ein guter Gastgeber muss eloquent sein. Viele Leute mögen es, wenn man sie auch mal auf den Arm nimmt und nicht nur trocken und steif ist. Du musst ein dickes Fell haben, darfst dich nicht zu schnell aufregen, musst humorvoll sein und am Ende mit den Gästen auch mal einen trinken können. Du musst mitten drin sein und gute Laune verkaufen, auch, wenn du Zuhause vielleicht mal Stress mit deiner Frau hast.

Die Schattenseiten des Nachtlebens.

Ja, viele stellen sich das super leicht vor – zwei, drei Öffnungstage die Woche, ein bisschen einkaufen und Planung machen. Am Ende ist das Nachtleben aber kräftezehrend. Wenn du das so lange machst wie ich, musst du dich immer wieder neu motivieren, um raus zu gehen und die Leute zu unterhalten. Mein Bruder hat sich irgendwann zurückgezogen und macht nur noch Management und Verwaltung. Der kümmert sich darum, dass es läuft, sitzt aber sonst nur in seinem Büro und hat keine Lust mehr, hier den ganzen Abend unterwegs zu sein. Das ist für mich aber immer noch die Basis des Erfolges.

„Teilweise wird sich vor Freude sogar ausgezogen“

Was sind für dich die legendärsten Partys, die du hier gefeiert hast?

Ganz weit vorne stehen natürlich diese Weltuntergangspartys – da lassen wir erst nur Mädels rein, die schön mit Freigetränken versorgt werden. Um 1:00 Uhr lassen wir dann die Herren rein: Die scharren vor der Tür schon mit den Hufen und wissen, was sie hier drin erwartet. Das Besondere daran ist, dass viele verschiedene regionale DJs an diesem Abend auflegen. Also das waren immer legendäre Partys. Wir hatten aber natürlich auch schon überregionale Künstler wie Tom Novy, Westbam oder die Jungs von Scooter zu Gast, die sich spontan an die Turntables gestellt haben. Und Patrick Lindner war mal bei einer Schlagerparade von DJ Knuddel dabei, das hat mir sehr gut gefallen (lacht).

Was sind für dich die schönsten Momente hier im Laden?

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