„Lieder zum Mitgröhlen, aber mit Seele“

Max Richard Leßmann berichtet von der „Liebe In Zeiten Der Follower“

Max Richard Leßmann. Foto: Ingo Petramer

Bekannt wurde er mit der krediblen Indie-Rock-Band Vierkanttretlager, die es im Jahr 2012 bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest für ihr Bundesland Schleswig-Holstein bis auf Platz 6 schaffte. Jetzt hat sich Max Richard Leßmann neu erfunden: Als lässiger, deutschsprachiger Crooner irgendwo zwischen Chanson, Schlager und Big-Band-Sound. Er vertont kitschige Liebesgedichte genauso wie raue Kneipenlieder – alles Oden an das Leben und die pure Romantik. Kürzlich gastierte Max Richard Leßmann im Eulenglück Braunschweig. Wir sprachen mit ihm.

Max, du hast dich als eine Art moderner neuer Schlagersänger erfunden. Im Video zu „Spuren auf dem Mond“ könnte auch Udo Jürgens neben dir am Strand entlanggehen. Welche Künstler aus dem Schlager-Bereich magst du und wer inspiriert dich für deine Musik und Texte?

Ich habe erst vor kurzer Zeit durch eine Freundin Manfred Krug entdeckt. Das ist pure Romantik. Das sollte eigentlich jeder immer hören. Per Gesetz! Der singt Sachen wie „Ich werd ganz traurig sein, wenn du mich mal verlierst”. Das ist schön und gemein und dunkel und romantisch. Zwischendurch dürfte man natürlich auch ein wenig Udo hören. Und ein kleines bisschen mich.

Was möchtest du bei deinen Hörern auslösen?

Als Sebastian Madsen und ich zusammen an „Liebe in Zeiten der Follower” gearbeitet haben, wollten wir Gassenhauer schreiben! Lieder zum Mitgröhlen, aber mit Seele. Und küssen sollten alle Menschen mehr!

Welche Rolle spielt Melancholie in deiner Musik?

Ich bin ein fröhlicher Melancholiker.

Auf einem Pressefoto bist du mit Reihern zu sehen. Was haben die Tiere mit dir zu tun?

Die Reiher sind für mich vor allem ein Symbol für besagte Follower. Weil es Zugvögel sind. Hat aber kaum wer so verstanden, um ehrlich zu sein.

Eine rosa Hose zu tragen ist ziemlich gewagt. Wie wichtig ist dir Mode und mit Kleidung Aufmerksamkeit zu erregen?

Rosa ist eine sehr gesunde Farbe. Gut fürs Auge, gut fürs Herz. Ich mache das also nicht für mich. Jede rosa Hose macht die Welt ein bisschen besser. Finde ich nämlich.

Wie wichtig ist dir deine alte Heimat Husum? Besitzt deine Musik deshalb eine gewisse Seefahrer-Sehnsucht und -Romantik?

Husum hat den schönsten Himmel, den ich kenne. Es war nicht immer einfach, in so einer kleinen Stadt aufzuwachsen, als Mensch mit rosa Hose meine ich. Aber der Himmel hat mich immer versöhnt. Das Meer natürlich auch.  Das hat mir immer das Gefühl von Weite gegeben, daher vielleicht auch die Sehnsucht und die Romantik und alles. Das Meer ist sehr gut. Aber das gibt es auch woanders. Himmel gibt es nur in Husum.

Wie ist es um die „Liebe in Zeiten der Follower“ bestellt?

Liebe ist in allen Zeiten gut und schlimm und leicht und schwer und alles. Kann man immer gut gebrauchen. Kann man aber nicht runterladen. Das ist das einzige Problem vielleicht. Und das allergrößte Glück.

Die Menschen im digitalen Zeitalter entfernen sich immer weiter von sich selbst. Wie lautet dein Rezept gegen „digitale Versuchungen“?

Wahrscheinlich ist es am ratsamsten, mindestens einmal am Tag einer realen, weltlichen Versuchung nachzugehen. Mit Namen und ganz öffentlich. Oder es sich im Internet absichtlich ungemütlich machen. Nur schlimmen, bösen Menschen folgen. Dann geht da auch keiner freiwillig mehr hin. Und wenn die Schlimmen unter sich sind, werden sie vielleicht auch zutraulich und merken, dass sie nur Liebe brauchen. Und dann gehen die aus dem Internet raus und küssen wen.

Stichwort Nostalgie: Was hat die mit dir zu tun? Was war früher besser als heute?

Ich glaube nicht an Nostalgie. Ich glaube daran, es sich jetzt gemütlich zu machen. Das bedeutet Romantik für mich.

Im Club kannst du, im Gegensatz zum Album, kein Orchester mit Bläsern und Streichern auffahren. Wie wird dein Gig in Braunschweig? 

Meine Band und ich reisen dieses Mal mit kleinerem Besteck an. Wenn die Eule aber bald endlich ihren Orchestergraben bekommt, kommen wir wieder und servieren Romantik mit dem großen Löffel! Versprochen.

Was weißt du überhaupt von dieser wunderbaren Stadt und was erwartest du von ihr?

Ich weiß wenig und erwarte viel. Außerdem freue ich mich sehr. Auf das Konzert und alle, die das Internet verlassen, um es mit uns zu teilen.

 

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