Dystopische Sicht auf die Zukunft

Die Berliner Band Kafvka spielt klassischen Crossover mit Gesellschaftskritik im Eulenglück

Sie covern die legendäre Polit-Rock-Band Ton Steine Scherben, lassen es aber am liebsten richtig krachen: Kafvka. Foto: Dodo Beach Originals

Crossover, die Verschmelzung von Rap mit Rock, Hardcore und Metal, war Mitte der 90er-Jahre schwer angesagt – auch in Braunschweig. Die Bands Phase V und Such a Surge waren ein wichtiger Teil der Szene, veröffentlichten diverse Tonträger und tourten durch Deutschland. Zwei Jahrzehnte später lassen Kafvka aus Berlin-Lichtenberg diesen energetischen Sound, der zudem durch systemkritische und kontroverse Texte geprägt war, wieder aufleben. Am 7. Juni kann man den furiosen Fünfer im Eulenglück erleben. Wir haben mit der Band gesprochen.

Vor rund 25 Jahren wurde der Crossover-Sound, eine energetische Mixtur aus Metal, Rap, Punk, Hardcore und Funk, massenkompatibel. Warum mögt und macht ihr gerade diese Musik?

Als echte Kids der 90er-Jahre ist das das verbindende Element bei Kafvka: alle sind durch diese Art der Musik in ihrer Jugend sozialisiert worden. Hinzu kommt, dass es live einfach krass Bock macht, mit dem Publikum abzudrehen und trotzdem die Möglichkeit zu haben, Inhalte verständlich rüberzubringen.

Aus Braunschweig kommen die deutschen Crossover-Pioniere Such a Surge. Kennt ihr die Band?

„Ich springe, springe über meinen Schatten…“ – klar kennen wir die, waren Vorreiter der Mukke. Stephan hat die Band auf einer „Crossing all over“-CD Volume irgendwas in den 90ern entdeckt.

Welche Crossover-Band hat euch am meisten geprägt?

Am Meisten hat uns Rage Against The Machine geprägt, vor allem aufgrund ihrer politischen Attitude und ihres tatsächlichen Einsatzes für politische Themen.

Inwieweit hat euch der US-Rap der 90er-Jahre beeinflusst?

Rap spielt insofern eine große Rolle für unseren Sound, weil die Botschaft für uns sehr wichtig ist. Deswegen achten wir auch sehr darauf – dank an unseren Tonmann –, damit jede Zeile auch live für das Publikum zu verstehen ist. Unser Frontman Jonas ist auf jeden Fall sehr durch Eminem, The Notorious B.I.G. und Mobb Deep geprägt; Tupac war ihm immer zu Westcoast.

Warum sollte man sich vor euch in Acht nehmen?

Da unser aktuelles Album „2084“ heißt, sollte man sich generell vor uns in Acht nehmen. Ohne dass es ein Konzeptalbum ist, führen die Themen der einzelnen Songs immer wieder zu einer dystopischen Sicht auf die Zukunft, vor allem aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen. Dennoch haben wir natürlich auch lustige und rein ironische Nummern auf dem Album, weil wir auch nicht die ganze Zeit nur heulend im Zimmer sitzen, sondern auch bißchen funky drauf sind.

Kafvka sehen sich selbst als Kids der 90er. So sind sie zum crossover gekommen. Foto: Dodo Beach Originals

Wie wichtig sind euch die gesellschaftskritischen und politischen Botschaften in euren Songs?

Die Message an die Hörer zu bringen, ist ein sehr wichtiger Teil unserer Musik. Sie bringt das rüber, was uns bewegt und wir sind generell der Meinung, dass alle Menschen mit einer gewissen Reichweite und Öffentlichkeit Stellung beziehen sollten.

Was wollt und könnt ihr bei euren Hörern verändern?

Wir wollen vor allem dazu anregen, über das eigene Handeln nachzudenken, allerdings ohne den erhobenen Zeigefinger. Die Entscheidung, wie jeder leben will, trifft jeder Mensch für sich selbst. Wichtig ist uns, ein Bewusstsein dafür zu stärken, dass das eigene Handeln Dinge beeinflusst und somit ein Teil des Ganzen ist.

Eure Generation wird wegen ihrer Selbstbezogenheit, Verunsicherung, dem Wunsch nach Sicherheit, permanentem Feedback sowie dem Rückzug ins private Idyll  kritisiert. Wie seht ihr das?

Am Ende kann es ja, wie im Song „2018“ gesagt, eigentlich kein richtiges Leben im falschen geben. Auch fairer Konsum ist negativ gesehen nur ein Symptom des absoluten Überflusses, in dem wir hier leben und sorgt für ein halbwegs reines Gewissen. Dennoch versuchen wir auch abseits der Band, so positiv wie möglich auf unsere Umwelt zu wirken. Wie viel Effekt das hat, bleibt fraglich – wir persönlich können uns aber einfach nicht mehr damit abfinden, einfach unüberlegt weiter zu konsumieren und nicht die Dinge, wie sie sind, zu hinterfragen.

Wie viel Franz Kafka steckt in Kafvka?

Unser Bandname steht für die Verbindung von wichtigen, gegenwartskritischen Texten (Franz Kafka) und dem Spaß- und Popmusikfaktor vom MTV der 90er (Markus Kavka).

Was ist euer Lieblingsbuch des österreichischen Kultautors?

„Die Verwandlung“, weil das das einzige Kafka-Buch ist, das wir alle gelesen haben.

Was kann man von eurem Braunschweig-Gig erwarten?

Jonas hat mit seiner ersten Band Mueca vor zehn Jahren mal im Jolly Joker gespielt – war nice. Auf jeden Fall wird es wie immer Abriss geben mit Energielevel eine Billiarde!

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