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Madsens „Lichtjahre“: Ein komplettes Album über Angst

Ihrem Sound sind Madsen treu geblieben. Doch die Texte haben sich verändert.

Die Band "Madsen" tritt auf einem Open-Air-Musikfestival auf (Archivbild). Foto: Axel Heimken/dpa

Berlin (dpa). Im Musikvideo läuft der Schauspieler Franz Dinda goldschimmernd durch den Sand. Er wirkt allein, verlassen, träumt einer Frau hinterher und macht sich dann im Laufe der Clips doch frei von seinem Gepäck. Auch die Band Madsen steht bei „Kapitän“ am Strand. Und rockt in der Weite los. Das Musikvideo bebildert gut, wie das neue, das siebte Studioalbum der Niedersachsen um die drei Brüder mit dem bandgebenden Nachnamen Madsen klingt.

„Lichtjahre“ klingt voll und ganz nach den alt bekannten Madsen. Wer die Anfänge der Band aus Mitte der 2000er mit „Vielleicht“, „Perfektion“ oder „Du schreibst Geschichte“ mochte, wird diesen Sound genauso wiederfinden, wie prägende Elemente späterer Ohrwürmer wie „Mach die Musik an“, „Küss mich“ oder „Lass die Liebe regieren“.

Pop, Punk und Rock

Die Songs zeigen die bewährten Facetten der Indieband, schlagen mal mehr Richtung Pop, mal mehr Richtung Punk und mal mehr Richtung glasklaren Rock aus. Fans werden wenig zu meckern haben. Doch es fällt auf, dass die Texte doch mehr als früher um das Ringen mit dem eigenen Widerwillen kreisen.

Am Steuerruder des Lebens

Gleich im Opener „Wenn es einfach passiert“ singt Sebastian Madsen: „Ein Fuß aus dem Bett, auf’s Zehnmeterbrett, ich kann mich nicht bewegen. Herzrasen, Wohnungstür, Menschenmassen neben mir, ich kann nicht mit ihnen reden.“ Und auch in dem schon ausgekoppelten „Kapitän“ singt er vom Nebel der Sehnsucht – und davon, sich daran zu erinnern, wer eigentlich am Steuerruder des Lebens steht.

Eigentlich geht’s um Angst

Er habe eigentlich ein komplettes Album über Ängste geschrieben, sagt Sebastian Madsen in einem Interview-Podcast des Radiosenders Fritz. Das falle möglicherweise beim ersten Durchhören nicht auf. „Ich mag es sehr gern, Lieder als Liebeslieder zu verkleiden und eigentlich über etwas ganz Anderes zu singen.“

Sebastian hatte Panik

Der Schwerpunkt vieler Texte rühre von seiner eigenen Erfahrung. Er habe eine ganze Zeit lang mit Panik-Aattacken gekämpft, habe sich unsicher gefühlt und sei mit sich selbst unzufrieden gewesen, erzählt Sebastian Madsen weiter. Die Attacken kamen demnach durch Überlastung und Erschöpfung. „Auch in schwierigen Zeiten habe ich die Angst nie gewinnen lassen. Ich bin immer auf die Bühne gegangen, auch wenn ich dachte ich schaff’s nicht.“ So habe er das Gefühl durchbrochen.

Gitarren schrammeln laut

Und diese Botschaft schwingt in vielen der neuen Songs mit. In „Rückenwind“ ebenso wie in „Athlet“. Zusammen mit „Kapitän“ und „Keiner“ stehen sie für die besonders starken Seiten der neuen Scheibe.

Madsen reißt besonders mit, wenn sie die Gitarren lauter schrammeln lassen, das Schlagzeug lauter trommeln oder die punkige Note mit Bläsern komplettieren. Da lässt sich auch verzeihen, dass sich auf „Lichtjahre“ auch Songs wie „Wenn alles zerbricht“ finden, die mit ihren einfachsten Reimen an der Kitschgrenze kratzen: „Wenn alles zerbricht, jedes Licht erlischt, gibt es immer noch mich, ich glaub an dich.“

Von Festival zu Festival

Auf Instagram zählt die Band schon seit Tagen den Erscheinungstermin für „Lichtjahre“ herunter. Im Mai stellten sie einige der 13 Tracks schon bei mehreren ausverkauften Konzerten vor. Im Sommer hangeln sie sich von Festival zu Festival, sind unter anderem beim Hurricane, beim Southside und beim Highfield angekündigt. Ab November geht es dann weiter mit der „Lichtjahre“-Tour und Stationen unter anderem in Köln, München, Leipzig, Berlin und Hamburg.

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