„Jugendträume sind in Erfüllung gegangen“

20 Jahre The Twang am 15. Juni in der Brunsviga

Die Großstadtcowboys "The Twang" feiern in der Brunsviga. Foto: Marek Kruszewski.

Mit Unterstützung von ganz speziellen Freunden aus dem In- und Ausland schauen die Braunschweiger Großstadtcowboys The Twang Mitte Juni im Rahmen eines Geburtstagkonzerts auf die ersten beiden Dekaden ihrer Country- und Westernfizierungen zurück. Dabei werden Perlen entstaubt, Premieren gefeiert und ein Blick in die Honkytonk-Urzeit der Band geworfen. Eine neue CD gibt’s auch noch. szene38 sprach vorab mit Sänger Hank Twang.

Hank, was wünscht ihr euch zum Geburtstag?

Viele Wünsche sind in den vergangenen Jahren ja tatsächlich schon in Erfüllung gegangen. Aber na klar, es gibt immer noch Ideen, die wir noch gerne realisieren wollen. Wir haben für unsere Geburtstagsshow gerade das Pink Floyd Album „Wish You Were Here“ komplett countryfiziert. Das hat so viel Spaß gemacht, dass wir jetzt eine EP planen. Naja, und da wir gerade beim Wünschen sind – Aufnehmen würden wir gerne im Studio von Chris Burroughs in Tucson, Arizona. Wenn alles gut geht dann sind wir im kommenden Jahr dort und das wäre ein wirklich erfüllter Geburtstagswunsch. Aber jetzt wünschen wir uns erst einmal eine tolle Party mit Freunden und Wegbegleitern.

Was waren die schönsten und was die schlimmsten Erlebnisse in 20 Jahren The Twang?

Zu den schönsten Erlebnissen gehören sicherlich die Touren – besonders ins Ausland. Da herrscht immer eine ganz besondere Stimmung. Ist ein bisschen wie ne Wild-West-Klassenfahrt ohne Curfew und Verbote. Gut in Erinnerung sind natürlich auch Einladungen auf großartige Veranstaltungen, wo wir kaum fassen konnten dabei zu sein – ganz am Anfang von Twang beim „Glitterhouse Orange Blossom Special“, oder beim „Buck Owens Birthday Bash“ und natürlich auch bei „Mojo’s Mayhem“ von Mojo Nixon. Für schlimme Erlebnisse müsste ich länger nachdenken. Also es gab natürlich grenzwertige Erfahrungen, wie einen schizophrenen Hotelier, der nach einem Konzert auf dem Nürburgring alle Gepäckstücke vertauscht hatte, die Zimmerschlüssel einkassiert hat und die Bands beschimpft hat. Da hatten wir dann Musiker als Wachen in den Hotelgängen eingeteilt. Am nächsten Morgen war er dann extrem zuvorkommend. In der Band ist diese Episode immer noch als die „Bates Motel“-Geschichte in Erinnerung. Nervend war auch die juristische Auseinandersetzung mit der gleichnamigen britischen Band The Twang.

Was waren eure größten Erfolge und was hat nicht funktioniert?

Da kommt es natürlich auf die Definition von Erfolg an. Am besten haben sich unsere ersten Alben verkauft, weil wir mit dem Konzept damals allein auf weiter Flur waren und alle relevanten Medien von der Spex, über den Rolling Stone bis zum Playboy darüber berichteten. Persönlich sehe ich den Erfolg aber anders gelagert. Für mich ist die große genreübergreifende Akzeptanz unserer schrägen Country-Variante und die daraus resultierenden vielen Musikerfreundschaften und Kooperationen ein Riesen Erfolg.

Was würde ihr heute anders und besser machen?

Puh, was würden wir anders machen? Ich weiß es nicht – aber eins haben wir sicherlich gelernt: Es ist immer gut, Projekte entspannt und ohne Druck von außen anzugehen. Das mussten wir lernen. Was würden wir besser machen? Auch hier muss ich passen – ich weiß aber nicht, ob das jetzt ein gutes oder schlechtes Zeichen ist…

Ihr habt viele Gäste auf euren Konzerten und Alben gehabt. Welche Zusammenarbeit mit welchen Songs würdet ihr gerne noch umsetzen?

Also mit Bela B im Duett, Cindy Cashdollar an der Dobro und Klaus Voormann als Cover-Designer sind tatsächlich Jugendträume in Erfüllung gegangen. Aber klar, da könnte ich mir einiges vorstellen – es gibt wirklich viele Leute und Bands, die wir sehr schätzen. Ich persönlich fände es wahnsinnig cool mal irgendetwas mit Willie Nelson zu machen, aber ich mache mir da wenig Hoffnung. Gefragt haben wir ihn vor ein paar Jahren aber schon mal. Da kam dann eine sehr höfliche Absage, dass es aus „terminlichen Gründen“ nicht klappen würde, und dass er uns viel Erfolg mit dem Album wünscht. Ganz Gentleman, er hätte auch sagen können „Wer seid Ihr? Träumt weiter!“ aber er hat es viel netter verpackt!

Welches sind deine persönlichen Lieblingssongs und warum?

Ich mag bei uns eher die abseitigen Countryfizierungen und die mit besonderen Gästen oder besonderen Erinnerungen. Super finde ich unsere Cajun-Version von Billy Idols „Rebell Yell“, weil wir da so einen irren Swamp-Pedal-Steeler dabei hatten, ich liebe „Whiter Shade of Pale“ wegen des Surf-Feelings und den Trompeten von Martin Wenk, „Seven Nation Army“ wirkt bei uns dank gestrichenem Bass oberdunkel und aus „Bohemian Rhapsody“ wurde eine komplette Wild-West-Operette.

Ihr countryfiziert am 15. Juni in der Brunsviga das komplette Pink Floyd Werk „Wish You Were Here“. Was macht dieses Album so besonders für euch?

Wir sind alle in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern musikalisch sozialisiert worden. Da gehörte Pink Floyd zwingend dazu. Egal ob man das Album mochte oder nicht, man kannte jeden Akkord, jedes Zwischengeräusch und natürlich jeden Song. Das Album steckt in der kulturellen DNA unserer Generation. Und da wir immer mal ein komplettes Album countryfizieren wollten, bot es sich mit seinen fünf Songs förmlich an. Wer jetzt aber episch-elegisches Ausschweifen vermutet, liegt falsch, wir spielen das Album in einer runden Viertelstunde komplett durch!

Was passiert an eurem Geburtstag sonst noch?

Es ist eher eine musikalische Revue, als ein normales Twang-Konzert. Sicher, wir haben da ein paar Perlen aus den vergangenen zwanzig Jahren entstaubt, aber der Abend wird in klar definierte Blöcke unterteilt: Da gibt es einen Honkytonk-Disco-Teil mit den sagenumwobenen „Rhythm Rangers“, es gibt ein Unplugged-Set am „Lagerfeuer“, es gibt die „Wish You Were Here“ Countryfizierung und ein paar Überaschungen mehr…

Welche Gäste sind dabei?

Alle kann ich noch nicht verraten, aber besonders stolz sind wir darauf, dass Allen Hill aus Texas extra für den Geburtstag nach Braunschweig reist. Allen wird in Houston der „High Priest of the Oldies“ genannt – er ist ein unglaublich furioser Entertainer, der schon in den Bands von Wanda Jackson, Roy Head oder auch Chuck Berry gespielt hat. Der Typ ist ein Ein-Mann-Hurricane. Dann kommt Rex Rhythm, den wir aus dem musikalischen Exil zurückgeholt haben und natürlich sind auch wieder Freunde aus Braunschweig mit auf der Bühne.

Es wird zudem eine exklusive CD mit Countryfizierungen von Pop-Hits aus Braunschweig geben. Welche Künstler und Songs wurden von euch „bearbeitet“?

Das kann man sich eigentlich an einer Hand abzählen. Auch wenn es in Braunschweig wahnsinnig viele Musiker gibt, hatten doch nur wenige wirkliche Hits. Ganz oben auf der Liste ist natürlich Bosse, dann die Legende FEE und auch Oomph!, wobei die Band ja eigentlich aus Wolfsburg kommt. Von diesen Künstlern haben wir jeweils einen Titel countryfiziert. Wir hätten uns auch noch einen Titel von Such A Surge gewünscht und haben uns echt lange durch ihr Repertoire gearbeitet, aber diese Band ist uncountryfizierbar: „Gegen den Strom“ oder „Schatten“ klang bei uns wie von den Gebrüdern Blattschuß. Da hätte keiner Freude dran gehabt! Und auch die Jazzkantine, die zu „den großen Braunschweiger fünf“ gehört, funktionierte nicht so, wie wir uns das gewünscht hätten. Auf letzten Drücker haben wir dann aber noch ein wertvolles Stück Braunschweiger Subkultur countryfiziert, nämlich von der großartigen aber immer übergangenen und unterbewerteten Braunschweiger Band Kaltmiete. Die CD haben wir nur bei diesem Konzert dabei und verschenken sie, weil sie teilweise aus einer anonymen Spende finanziert wurde. Allerdings würden wir uns wünschen, dass jeder Besucher, der eine CD mitnimmt ebenfalls etwas spendet – nicht für uns, sondern für die die DKMS.

Was sind eure kurz- und langfristigen Pläne? Was wünscht ihr euch für die nächsten 20 Jahre?

Kurzfristig erst einmal eine produktionsfreie Zeit, schöne Auftritte im Sommer und natürlich eine spektakuläre zwanzigste Western Weihnacht. Im kommenden Jahr werden wir wahrscheinlich wieder in die USA fliegen, um in Texas, Arizona und Kalifornien zu spielen. In den kommenden zwanzig Jahren? Na, Ihr seid lustig. Gesund zusammenbleiben und dabei immer noch mit Freude spielen. Das wäre toll.

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