„Wenn die Luft brennt“

DJ Benny The Kid, Veranstalter der Fluid-Chamber-Rave-Reihe, im Interview

Er liebt und feiert den basslastigen Sound, die mitreißende Energie und Geschwindigkeit von Drum and Bass: Veranstalter und DJ Benny The Kid. Foto: Privat

Seit dem Jahr 2009 existiert die beliebte Fluid-Chamber-Partyreihe in Braunschweig. Gefeiert wird dort zu den verschiedensten Spielarten des Drum and Bass, eines energetischen Subgenres elektronischer Musik. Regionale, nationale und internationale DJs legen auch bei der 21ten Ausgabe am Samstag, den 11. Februar, 23 Uhr, auf zwei Tanzflächen im Stereowerk am Hauptbahnhof auf. Wir sprachen vorab mit dem Braunschweiger Veranstalter und DJ Benny The Kid.

Benny, wo liegen die Wurzeln des Jungle/Drum and Bass?

In den 1990er Jahren entstand aus dem sich überall verbreitenden Techno beeinflusst von Breakbeat und schnellem Funk der „Jungle“, der sich durch gebrochene Rhythmen und einen eher schmutzigen, zerstückelten Sound auszeichnet und von tiefen Bässen getragen wird. Drum and Bass entwickelte sich dann als logische Folge davon: Sauberer und direkter im Rhythmus, synthetischer, viel drückender und noch basslastiger. Trotz dieser „Vermainstreamung“ ist Drum and Bass gegenüber Techno oder House aber nach wie vor ein Subgenre im Bereich der elektronischen Musik. Wie so viel gute Musik, ist auch Drum and Bass in England entstanden und von dort herübergeschwappt. Das Genre ist heute fester Bestandteil der englischen Musikkultur und bestimmt die UK-Charts deutlich mit.

Was zeichnet das Genre noch aus?

Aufgrund der hohen Geschwindigkeit und der Basslastigkeit nimmt Drum and Bass eine gewisse Sonderstellung im Bereich der elektronischen Musik ein. Es zeichnet sich durch extrem gute Tanzbarkeit und treibende, mitreißende Energie aus, die langsamere Stile wie Techno oder House so nicht bieten können. In den frühen Jahren war das Besondere am Genre eindeutig die Underground-Stellung. Heute ist das Ganze zwar immer noch Subkultur, jedoch hat sich die Szene deutlich geöffnet. Drum-and-Bass-Tracks finden sich mittlerweile sogar in Werbespots, Videospielen und Kinofilmen. Die Musik hat sich sehr vielseitig und stetig weiterentwickelt, ist melodischer, vocallastiger und immer „fetter“ – und dadurch greifbarer und massenkompatibler – geworden. Wenn es richtig abgehen soll, muss man auf eine Drum-and-Bass-Party gehen, wo die Luft brennt, der Schweiß von der Decke tropft und keiner still sitzen kann.

Wann und wie hat sich Drum and Bass in Braunschweig entwickelt?

Die Drum-and-Bass-Szene in Braunschweig besteht eigentlich seit Mitte der 1990er Jahre. Seit ich mit ihr in Berührung kam, habe ich sie als sehr solide und groß wahrgenommen. Es gab Zeiten, da hatte Braunschweig in Sachen Drum and Bass sogar weit mehr zu bieten als Berlin. Braunschweig ist neben dem Epizentrum Bremen von Anfang an eine feste und wichtige Instanz in der norddeutschen Drum-and-Bass-Landschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil: durch die Erweiterung und Öffnung des Sounds sind immer mehr Leute dazu gekommen, die den eher rauen Old-School-Sound wahrscheinlich nicht so gemocht hätten. Die Szene spricht nach wie vor auch die nachrückenden Generationen an. Ein Aussterben, wie das anderer Genres, ist nicht in Sicht.

Wer waren und sind die wichtigsten regionalen DJs und Veranstalter?

Die lokale Szene weit vorwärts gebracht hat maßgeblich Ly.da Buddah, der als DJ, Plattenhändler, Partyveranstalter, Produzent und Magazinherausgeber mit Leidenschaft dabei ist wie kein zweiter. Ebenso Judge D, der seit den Anfängen dabei ist und als Veranstalter ebenfalls viel für die Braunschweiger Szene getan hat. Die größten Partys der Region hat wohl DJ Triple T in der Meier Music Hall organisiert, wo reihenweise Künstler aus England kamen – die größten Stars der internationalen Szene. Dorthin kamen Gäste aus ganz Deutschland. Zahlreiche weitere Leute sind aktiv am Fortleben des Sounds in Braunschweig beteiligt.

Die Tracks des großflächig tätowierten Produzenten und DJ N3Gus aus Bristol heißen „One Man Army“ oder „Hot Heat“. Elektrisierender, aber auch melodischer Abgeh-Stoff, den er bei Fluid Chamber auflegt. Foto: Chelone Wolf

Die Tracks des großflächig tätowierten Produzenten und DJ N3Gus aus Bristol heißen „One Man Army“ oder „Hot Heat“. Elektrisierender, aber auch melodischer Abgeh-Stoff, den er bei Fluid Chamber auflegt. Foto: Chelone Wolf

Was fasziniert dich an der Musik?

Auf jeden Fall die mitreißende Energie und Geschwindigkeit, die einen eigentlich immer packt und hochzieht. Und die unerschöpfliche Vielseitigkeit des Sounds. Ob man feiern und tanzen will, oder sich am Schreibtisch vertieft auf etwas konzentrieren muss, Drum and Bass geht immer.
Es ist außerdem ein lebendiges Genre, das sich selbst immer wieder neu erfindet, ohne von Major-Labels oder der breiten Masse diktiert zu werden. Keiner weiß, was als nächstes kommt. Auch der Zusammenhalt der Szene ist einzigartig. Es kommen harmonische, tolerante und gut gelaunte Gäste. Stress gibt es nicht. Es sind friedliche Leute, die wissen, wie man richtig feiert, die dankbar sind, die Ahnung von ihrer Musik haben und sich als Kollektiv verstehen. Dazu kommt noch jede Menge Nachwuchs. Eine vitale Szene.

Seit wann gibt es die Fluid Chamber Partyreihe und was ist das Besondere daran?

Die erste Party fand schon 2009 im ehemaligen Hansa Kino statt. Damals ging es mir und ein paar Freunden nur darum, eine Party zu machen, auf der wir den Sound spielen wollten, der uns gefällt. Mit den Partys im Nightflightclub, die es jeden Samstag gab, und den Veranstaltungen im Brain Klub gab es zwar schon ein starkes Angebot an Drum-and-Bass, aber nirgends lief der „Liquid“-Sound, den wir wollten, eine eher melodisch-treibende, meditativ-verkopfte Variante des DnB. Hieraus ergab sich auch der Partyname „Fluid Chamber“ und das Tropfenlogo. Das Ganze gab es bei uns auch ohne MC, der sonst eigentlich bei Partys dazu gehört. Mit dem Umzug ins Stereowerk ist die Party dann deutlich größer und vielseitiger geworden. Heute sind ein MC und ein sehr tanzflächenorientierter, kräftiger Sound nicht mehr wegzudenken. Auch der Techno-Bereich kam dazu. Die Fluid Chamber steht heute für eine abwechslungsreiche, intensive, stressfreie Party, die eine besondere Auswahl internationaler DJs präsentiert und bei der jeder willkommen ist. Statt der großen Stars, die jeder Fan schon mehrmals in anderen Clubs oder Städten gesehen hat, bringen wir lieber zu fairem Eintrittspreis neue Leute auf die Bühne.

Was waren die bekanntesten Gäste?

Regelmäßig kommen zu uns Newcomer oder Upcomer, die in England gerade dabei sind, sich einen Namen zu machen zu uns. Sie sind dort bereits von den großen Labels gesignt, gestalten die Szene selbst aktiv mit, existieren hier aber noch eher unter dem Radar. Zum Beispiel besuchte uns im vorigen Jahr die talentierte Entertainerin Miss Melody, eine der wenigen weiblichen Drum-and-Bass-MCs, die seit einigen Monaten total am durchstarten ist und mittlerweile mit den Größen der Szene in ganz Europa auftritt.

Was geht Samstagnacht im Stereowerk ab?

Zur 21. Ausgabe der Fluid Chamber kommen einige bekannte Gesichter zurück. Als Hauptact fliegen wir exklusiv N3Gus aus dem kulturellen Schmelztigel Bristol ein, der als DJ für seine vielfältige und bunte Trackauswahl und seinen sehr individuellen, tanzbaren Stil bekannt ist. Er hat seine facettenreichen Tracks bereits auf den in England sehr großen Labels Hospital oder Spearhead Records veröffentlicht hat. Außerdem mit dabei sind MC Soultrain und Phantomwarrior aus Berlin, zwei Urgesteine der Szene, die mit ihrem Reggae- und Dancehall-orientierten Sound regelmäßig große Resonanz in der Szene und viel Airplay erhalten. Es wird mit Sicherheit wieder eine wilde, exzessive und vor allem ausdauernde Party, auf der bis in den Morgen ausgelassen getanzt wird.

Kurzprofil der Location im Artikel

Böcklerstr. 30-31
38102 Braunschweig
DE-Niedersachsen
Öffnungszeiten:
Veranstaltungsabhängig

Kategorie: Club, Veranstaltungszentrum
Kategorie:CheckOut, Party-Tipps, Topstories
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