Sprachentwicklung und Identifikation: Carsten Ueberschär über RAP4GOOD

Bankgeschäft und Hip-Hop-Festival: Wie passt das zusammen? Darüber sprach Carsten Ueberschär (Volksbank BraWo) im BZV Medienhaus im Interview. Foto: Falk-Martin Drescher.

Bankgeschäft und Hip-Hop-Festival: Wie passt das zusammen? Darüber sprach Carsten Ueberschär (Volksbank BraWo) im BZV Medienhaus im Interview. Foto: Falk-Martin Drescher.

Im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums der United Kids Foundations (UKF) stehen am 19. November Kool Savas, Die Orsons, Genetikk und viele weitere Größen der deutschsprachigen Hip-Hop-Szene auf der Bühne der Volkswagen Halle. Das RAP4GOOD-Festival wird Tausende aus ganz Deutschland nach Braunschweig ziehen. Maßgeblich zu verdanken hat die Löwenstadt das Festival der Volksbank BraWo – die das UKF-Netzwerk initiierte und auch die eigenen Reihen für ein Musikfestival begeisterte. Über das Jubiläum des Netzwerks und auch RAP4GOOD als ungewöhnliches Vorhaben einer Regionalbank sprach Carsten Ueberschär, Direktionsleiter der Volksbank BraWo, im Interview.

Für die, die noch keinen Zugang zu United Kids Foundations hatten: Was steckt hinter der Initiative?
Ich glaube, dass man klarmachen muss, dass es eine Unterscheidung zwischen der BraWo-Stiftung und United Kids Foundations gibt. Die BraWo-Stiftung ist eine Stiftung, welche die Volksbank BraWo vor zehn Jahren gegründet hat, um Armut bei Kindern in der Region zu bekämpfen und auch Kindern aus armen Verhältnissen unter die Arme zu greifen und zu unterstützen. Das ist das Thema Stiftung.
Der Begriff United Kids Foundations hingegen ist weiter gefasst – ein Kindernetzwerk. Das bedeutet: Bei diesem Netzwerk können auch externe Partner, Institutionen, Personen mitmachen, um sich dem Ziel mit zu verschreiben, Kinderarmut in der Region zu bekämpfen. United Kids Foundations ist ein großer Schirm über allem, ein gemeinsames Dach, unter dem auch externe Partner die Möglichkeit haben, sich hochprofessionell für dieses Thema mit einzubringen und schließlich auch zu spenden. Wir erleben derzeit – die Initiative feiert ihr zehnjähriges Bestehen – eine Menge Initiativen, die sich aus der Stiftung heraus entwickeln. In diese fließen auch die Spenden aus „1000 x 1000 – die BraWo Allianz gegen Kinderarmut“ ein, unsere Jubiläumskampagne. Auf der anderen Seite erleben wir auch, dass sich Unternehmen und Einzelpersonen einfach gerne einbringen wollen. In Form von Zeitspenden, Ehrenamtsspenden, der Akquise von weiteren Mitteln.

Wie kann man sich die Struktur hinter dieser Arbeit vorstellen?
Das ist ein individueller Prozess. Ein Beispiel: In einem Garten- und Landschaftsbau hier in Braunschweig sind die Mitarbeiter auf den Chef zugegangen und haben gesagt, sie würden gerne bei „1000 x 1000“ mitmachen und ihre Arbeitszeit dafür spenden. Dies wurde durch den Chef organisiert und der gesamte an einem Samstagmorgen angefallene Lohn wurde United Kids Foundations gespendet.

Was ist der Grund für das Engagement der Volksbank in diesem Thema?
Zum einen ist das natürlich eine Herzensangelegenheit der Bank: Wir wollen, dass es Menschen, denen es nicht so gut geht und die mit weniger guten Voraussetzungen auf die Welt kommen, einen fairen Start ins Leben ermöglichen. Wir wollen als Regionalbank diese Region weiterentwickeln und dort, wo es in der Region Probleme gibt, im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen, dass es besser wird – gesellschaftlich, strukturell und wirtschaftlich.

Was bedeutet das Engagement für Sie persönlich?
Zur Zeit ist es ein sehr hohes Engagement, um „1000 x 1000“ zu einem Erfolg zu machen. Immer da zu sein als United-Kids-Foundations-Botschafter, der ich ja bin, wenn es um dieses Thema geht. Und letztlich zu erreichen, dass wir die nächsten Jahre mit den Spenden, die wir jetzt erhalten, auch an den richtigen Stellen das Richtige bewirken können.

Ein Hip-Hop-Festival ist kein klassisches Bank-Thema. Das müssen Sie uns erklären.
Es ist so, dass wir uns derzeit im Rahmen des Jubiläums immer wieder Entwicklungsmöglichkeiten beleuchten und natürlich auch schauen: Wie erreichen wir neue Zielgruppen, um uns gemeinsam gegen das Thema Kinderarmut einzusetzen? Also: Wie erreichen wir jüngere Leute, und wie schaffen wir es, auch über die Popularität von Künstlern das zu tragen, zu treiben und letztendlich mit so einem Thema auch aufgrund des Kartenverkaufs für ein gewisses Spendenaufkommen zu sorgen? Wir hatten eine Sitzung, haben viele Ideen gesammelt und sind schließlich auf RAP4GOOD gekommen. Wir hatten einen Künstler, der sich bereit erklärt hat ein Konzert in dieser Art und Weise aufzulegen.

Das Format wurde also auch über den Künstler an Sie herangetragen?
Es ist Kool Savas wichtig, Jugendlichen und Kindern zu helfen. Außerdem fanden wir, dass Rap als ein spezielles Genre – eine Kultur, die mit Sprache zu tun hat, und auch das Thema Sprachentwicklung, Sprachbewusstsein gerade auch bei Kindern und Jugendlichen entwickelt – das Thema über einen anderen Weg transportiert. Eben keine Frontalbeschulung, sondern Identifikation und Bewusstsein für das Thema.

Ein Festival in der Größenordnung sieht Braunschweig nicht alltäglich. Wie kam es zu der Standortentscheidung?
Wir haben eine tolle Halle. Auch in einer Größenordnung, die man für solch ein Festival bespielt bekommt. Und mit lübMEDIA als Veranstalter, Essah Entertainment als Künstlermanager, und Undercover als lokaler Promoter und technischer Umsetzer, haben wir ein professionelles Team für RAP4GOOD am Start. Ferner sind wir hier mit United Kids Foundations und auch der Volksbank BraWo glaubwürdige Partner für ein Thema, das uns seit Jahren antreibt und keine einmalige Sache ist. Und letztlich waren wir uns sicher, dass wir die Halle damit auch vollmachen – und wenn ich mir das so angucke, sieht das im Moment auch so aus. Ich muss auch sehr schmunzeln, wenn ich mir die Kommentare auf der Facebook-Seite von RAP4GOOD anschaue und Leute – aus unterschiedlichsten Ecken Deutschlands – schreiben: Braunschweig, wo liegt das? Wie komme ich dahin? Braunschweig? Deswegen freut es uns umso mehr, dass sie sich schließlich einig waren: Sie kommen nach Braunschweig.

Vielleicht auch eine Vorlage für weitere Aktivitäten?
Ich glaube, es ist ein guter Beginn zu sagen: Wir haben hier etwas. Eine Grundlage, die man nutzen kann. Wenn es ein Erfolg wird – warum dann nicht wiederholen? Wie gesagt, tolle Halle, toller Veranstalter, Glaubwürdigkeit dahinter und Künstler, die sagen: Braunschweig, wir sind am Start.

Welche Musik begeistert Sie persönlich?
Ich habe immer gerne die Fanta 4 gehört, höre die auch immer noch – im Grunde alle ihre Platten. Ich finde die Musikform an sich, das Umgehen mit Sprache, gerade auch, wenn es die deutsche Sprache ist, gut. Ich finde das, was da verkörpert und abgeliefert wird, wirklich klasse. Diese Kultur hat ihren Boden gefunden, wächst und gedeiht. Früher hatte ich immer so den Eindruck: Rap ist Import – wir mussten um die brennende Tonne stehen und cool sein. Heute gibt es eine ganz eigene Dynamik mit reichlich Subkulturen und Auseinandersetzung mit der Sprache. Nicht nur eine Frage des Kleidungs- und Lebensstils, sondern auch ein Ventil.
Wir unterstützen etwa auch das „It’s all good“-Format in der Walhalla – ein spannendes Konzept.

Würden Sie auch Musikhörern, die sich in Rap-Musik weniger zu Hause fühlen, empfehlen, trotzdem einen Blick auf das RAP4GOOD-Festival zu werfen?
Unbedingt. Und ich glaube, es ist auch eine einmalige Chance für Eltern und andere Verwandte, mal mitzugehen und live zu erleben, was die Kinder und Jugendlichen heutzutage so hören und womit sie sich beschäftigen.

Tickets für RAP4GOOD gibt es etwa noch bei der Konzertkasse, Details zum Festival selbst auf www.rap4good.de.

Kategorie:Szene-News
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