Der Sound des Sommers

Alle Farben legt am 17. August 2017 im Raffteichbad auf

: Frans Zimmer a.k.a. Alle Farben mag musikalische Experimente und ignoriert Genregrenzen. Der Berliner DJ mixt Klassik- und Swing-Elemente mit Techno, Minimal oder House. Foto: David Rasche

Einer der schönsten Open-Air-Veranstaltungsorte in Braunschweig ist das Raffteichbad. Auf dem grünen Gelände treten in diesem Jahr nicht nur die Deutsch-Rock-Band Silbermond und der sensible Songwriter Philipp Poisel auf, sondern erstmals auch ein DJ. Frans Zimmer alias Alle Farben will unter Einbeziehung von prominenten Gastsängern, Bläsern, Tänzern und imposanten Videoprojektionen für Stimmung Deluxe unter dem abendlichen Himmel über Braunschweig sorgen.

Der Elektro-Pop-Shootingstar, der weltweit auflegt, steht wie kein anderer für die Qualitäten und die Besonderheiten des vibrierenden Berliner Nachtlebens: vielfältig, bunt, grenzenlos und immer auf einem schmalen Grat zwischen Melancholie und Euphorie wandelnd. Am 17. August, 20:00 Uhr, kann man ihn erstmals in Braunschweig erleben. Wir unterhielten uns vorab mit ihm.

Frans, in deiner Vergangenheit hast du viele Jobs ausprobiert, bist gescheitert und wieder aufgestanden. Inwieweit basiert dein musikalischer Erfolg auf diesen Erfahrungen?
Ich habe hart daran gearbeitet, dass ich irgendwann Erfolg habe. Aber es war auch ein gutes Stück Glück dabei, da zu landen, wo ich nun bin. Es war aber weniger ein Scheitern, als dass ich immer das gemacht habe, worauf ich gerade Lust hatte und dann komplett dahinter stehen konnte. Die Sachen sind ja auch nicht missglückt, aber es waren Dinge dabei, die keine große Karriere mit sich zogen, zum Beispiel, als ich selbstgemalte Postkarten verkauft habe.

Hast du oft an dir gezweifelt?
Ich habe durch all das Selbstbewusstsein gewonnen. Denn, wenn man verschiedene Sachen ausprobiert und merkt, dass man etwas schafft oder nicht, dann weiß man, wo man selbstbewusst sein kann. Das konnte ich dann mit der Musik.

Gab es Druck von außen, durch Familie oder Freunde?
Vom Elternhaus nicht. Da ich immer alles fokussiert gemacht habe und damit Geld verdient habe, wussten sie, dass ich mein Ding mache. Aber im Freundeskreis, gerade bei denen, die im Studium oder in der Ausbildung waren, kam von ein paar Seiten: Mach doch mal was Richtiges. Da sie jeden Tag lernen oder arbeiten müssen und mein Leben einfach aussah, war da wahrscheinlich auch ein bisschen Neid dabei.

Als DJ bekommt man am Anfang wenig Gage. Warum hast du trotzdem weiter gemacht?
Ich habe, als ich meine Miete und meine Krankenversicherung davon bezahlen konnte, gesagt: Ich mache weiter. Da wusste ich, jetzt ist meine Zeit und ich kann all meine Energie in die Musik stecken. Ich glaube, das war der richtige Entschluss.

Eine mutige Entscheidung.
Ja, es hätte auch schiefgehen können. Ich wusste aber, dass ich mich ärgern würde, wenn ich es nicht ausprobiert hätte. Selbst, wenn ich gescheitert wäre.

Wann wusstest du, dass du den Durchbruch als DJ geschafft hast: Gab es da einen speziellen Moment?
Der erste wichtige Durchbruch war, als ich im Jahr 2012 auf dem Tempelhofer Feld gespielt habe und durch glückliche Zufälle, den richtigen Tag, das richtige Wetter, 30.000 Leute vor der Bühne waren. Im Nachlauf kamen dann ganz viele Bookings und ich hatte das Gefühl, jetzt ist das Leben leichter und besser geworden. Ich musste nicht mehr Angst haben, meine Miete nächsten Monat nicht bezahlen zu können. Das war ein ganz wichtiger Moment.

Das ist fast genau fünf Jahre her. Inwieweit hat sich dein Leben seitdem verändert?
Ich musste erst mal lernen, mit dem Erfolg zu Recht zu kommen. Ich bin viel umhergereist und die Leute erkennen mich nun auch auf der Straße. Das kam aber glücklicherweise alles nicht so schnell. Im Privatleben war die Veränderung nicht so groß, da ich meinen Freundeskreis schon seit fast zehn Jahren habe und meine Familie schon immer zu mir stand, hat sich dahingehend nichts verändert. Das finde ich auch ganz schön.

Fühlst du dich heute wie ein Popstar?
Eigentlich nicht. Ich mache viele Sachen noch immer so wie früher. Natürlich habe ich den Kontakt zu den Fans, aber ich fühle mich nicht wie ein Popstar, der täglich Thema in der Bravo ist.

Du hast früher als Konditor gearbeitet. Was sind die wichtigsten Zutaten, die deine Songs enthalten müssen?
Ich komme aus der elektronischen Musik. Für mich ist es wichtig, dass jeder Song etwas Handgemachtes hat. Also, dass die Songs nicht statischer Techno sind. Das war damals die wichtigste Zutat, um den Sprung aus den Clubs zu schaffen und auch woanders aufzulegen.

Was macht deine Musik sonst noch aus?
Das Sommerliche. Uplifting Gitarren und den Sound klingen zu lassen wie der Sommer. Das hat mich in den letzten Jahren viel weiter gebracht. Von Songs wie „She Moves“ über „Bad Ideas“ und „Please tell Rosie“ bis hin zu „Little Hollywood“.

Was möchtest du bei deinen Hörern auslösen?
Das Sommer- und Glücksgefühl, das ich habe, wenn ich oben auf der Bühne stehe, möchte ich anderen näherbringen. Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man das weitergeben kann.

Hast du Vorbilder in der elektronischen Musikszene?
Früher habe ich mehr Vorbilder und Idole gehabt, heute freue ich mich auf die Zusammenarbeit. Trentemøller war für mich beispielsweise damals ein sehr wichtiger Künstler. Es gab aber auch viele andere DJs, die mich ein Stück weiter gebracht haben, weil ich deren Sound oder die Methoden gut fand.

Was hast du als Jugendlicher gehört?
Ich habe bis zu meinem 17. Lebensjahr keine elektronische Musik gehört. Eher Achtziger-Rock und Pop. Depeche Mode waren eine der Bands, die einen starken Einfluss auf mich hatten. Vielleicht nicht deren düstere Seite, aber das organische, das sie mit der elektronischen Musik verbinden.

Wie wichtig sind Gastkünstler, mit denen du zusammen arbeitest?
Die sind auf jeden Fall sehr wichtig. Ich mache ja auch Live-Touren mit Musikern auf der Bühne. Es ist nicht so, dass ein Gastsänger nur einmal was bei mir einsingt und ich sehe den nie wieder. Ich wähle die Leute, mit denen ich arbeite, mit viel Bedacht aus. Es ist wichtig, dass die Chemie stimmt.

Mit welchem Künstler würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
Es gibt einen Künstler, der hat aber leider abgesagt: Erlend Øye. Er macht leider keine Kooperationen. Zumindest nicht in diesem Bereich.

Wie lange arbeitest du durchschnittlich an einem Song?
Mit Nachbearbeitung und allem circa zwei Wochen.

Wie wichtig sind dir die textlichen Inhalte?
Ich finde es schon relativ wichtig, aber es steht bei mir nicht ganz oben. Ich mache immer noch Tanzmusik und da geht es um das Lebensgefühl und nicht um einen tiefgründigen Text.

Was war dein ungewöhnlichster Gig?
In Thailand, mitten im Dschungel. Das war auf jeden Fall sehr außergewöhnlich. Ich mag so spezielle Orte. Demnächst lege ich zum ersten Mal auf einem Kreuzfahrtschiff auf und in Berlin habe ich auch schon in einer Tram gespielt.

Spielst du lieber Open-Air oder im dunklen Club?
Egal welches Wetter, ich bin lieber unter freiem Himmel. Selbst wenn es regnet, ist die Stimmung gut und ich mag es, draußen zu sein. Clubs mache ich zwar auch gerne, gerade im Winter, aber wenn ich es mir aussuchen könnte – dann nur Festivals.

Womit legst du auf und wer steht im Raffteichbad mit auf der Bühne?
Ich habe einen Plattenspieler und zwei CD-Player. Und ich scratche zu meinem Set. Außerdem sind zwei Sänger, ein Geiger und Trompeter dabei. Das Ganze wird eine unterhaltsame Mischung aus DJ-Show und Band.

Elektronische Musik hat meist nur eine kurze Halbwertszeit. Ist das ein Problem für dich?
Ich wandere ein bisschen zwischen den Szenen. Ich bin in der Techno- und House-Welt, aber auch in der Pop- und Radio-Welt unterwegs. Daher kann ich ein Album machen, das länger hält. Es gibt viele Elemente in meinen Songs, die ich cool finde und dem Zeitgeist entsprechen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich es mit ein paar Songs auch geschafft habe, zeitlos zu sein.

Kurzprofil der Location im Artikel

Madamenweg 93
38120 Braunschweig
DE-Niedersachsen
Öffnungszeiten:
täglich 6 - 20 Uhr

Kategorie: Diverses
Kategorie:Szene-News, Topstories
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