Zeit für eine neue-alte Ära

„Joker"-Neueröffnung: So sieht es jetzt aus

Noch blitzt alles im neuen Jolly Time – doch unser Autor hat so seine Zweifel. Foto: Nizar Fahem

Das „Jolly Joker“ heißt jetzt also „Jolly Time“. Und Zeit braucht man, um nach fast fünf Jahren Abstinenz endlich wieder die altehrwürdigen Hallen am Jödebrunnen betreten zu dürfen. Denn auch um kurz nach Mitternacht ist die Schlange am Eingang ziemlich lang, fast eine Stunde muss man warten. Woran das so genau liegt ist unklar – sicher wird die Auflage der Stadtverwaltung eine Rolle gespielt haben, nach der nur eine gewisse Anzahl an Personen das „Joker“ (so nennen wir es einfach mal weiter) betreten darf, fehlender Parkplätze sei dank. Andererseits sind auch die neuen Besitzer des Jokers dazu übergegangen, eine Bezahlkarte als Zahlungssystem einzuführen, ganz wie in Fußballstadien oder Konzerthallen. Und was ein vermeintlich schnelleres Bezahlen verspricht, ist in der Praxis durchaus langwierig, denn bis auch der letzte Angeschwipste sein Kleingeld gegen eine Plastikkarte getauscht hat, vergeht Zeit. Eine Praxis, die es zu überdenken gilt – insbesondere, da das Bezahlen mit EC-Karte parallel im Joker noch nicht eingeführt wurde.

Neuer Name – neues Bier: Der Eingang des Jollys am Eröffnungsabend. Foto: Robin Koppelmann

Aber genug gemeckert, denn erstmal drinne – es geht übrigens durch einen neugeschaffenen Eingang links von der Halle und damit nicht mehr durch den Eingang rechts von dem Tor – ist der Eindruck gar nicht mal der Schlechteste. Wer erwartet hat, das Joker würde nach Renovierung und langjährigem Umbau nicht mehr wiederzuerkennen sein, wird freudig überrascht: Der Mainfloor ist rustikal wie eh und je, die Bänke an den Seiten stehen weiter und sogar diese kleinen Ablagen an den Bänken und am Oberrang, in die man Flaschen stellen (oder legen) kann, sind noch da. Sehr schön – auch wenn sich natürlich bemerkbar macht, dass die etwa 3000 Menschen fassenden Disko derzeit nur etwa 1.400 Leute betreten dürfen. Platzprobleme hat man so keine.

Noch nicht wieder da ist – logischer Weise – die gewisse Schicht an Glasscherben und Klebematerial auf dem Boden, wobei sich einige Premierenbesucher herzliche Mühe geben, diese Joker-Tradition wiederherzustellen. Auch wenn es die Veranstalter sicher nicht gerne lesen werden, aber das Geklebe wird wiederkommen, da führt wohl kein Weg dran vorbei.

Preislich ist das neue Joker im Normalniveau. Mischungen jenseits der fünf Euro tun zwar weh, Bier ist aber bei unter drei Euro angesiedelt. Wobei im Joker jetzt Warsteiner ausgeschenkt wird, was geschmacklich an die Plürre von einst zwar heranreicht – ein schönes Wolters wäre aber als Teil der allgemeinen Joker-Traditionswelle durchaus nett gewesen.

Strobo- und Laserlicht erhellt die Party-Meute. Foto: Nizar Fahem

Nett ist auch die Musik. Oder besser: Zumindest im Main-Floor ist sie gleich nahezu gleich geblieben. Zwar sitzen die DJs jetzt auf der ehemaligen Bühne, mancher Joker-Uzz-Uzz-Klassiker ist aber weiter fester Programmteil, auf Nachfrage wird sogar Dr. Alban gespielt. Den Gerüchten nach hat das Management die ehemaligen DJs ebenso wieder angefragt, wie Teile der ehemaligen Türsteher. Das gefällt natürlich sehr!

Proppevoll ist es übrigens in den Neben-Areas, der Schlagerbar und dem Bereich, der früher als Hort der Black-Fusion bekannt wurde. Ist zwar nicht mein Musikgeschmack, die Leute machen hier aber dennoch einen zufriedenen Eindruck an diesem Abend. Wenig Publikum, das einfach nur gucken möchte, wie das Joker im Jahr 2017 nun so ist – vielmehr Leute, die sich im alten Jokertrott befinden, als sei er nie weggewesen: Gruppen, die demonstrativ im Kreis stehen und sich gegenseitig mit nervösem Grinsen zum Tanzen zu animieren versuchen. Studentengruppen, die wohl Probleme hätten, in ihrem Zustand noch in einen anderen Laden als das Joker hineinzukommen. Und Singles, die alleine vor sich hinwippen und offenbar noch vergeblich auf ihre elf Minuten bei Paarship warten. Viele alte Reflexe, die irgendwie zum Schmunzeln einladen, so wohlbekannt sind sie.

Von der Empore kann man sich einen Überblick verschaffen. Foto: Robin Koppelmann

Pünktlich zur ersten Straßenbahn ist für uns die Sause vorbei, Burger King muss seine Öffnungszeiten an die neue Joker-Ära offenbar noch anpassen. Das Joker hat die neue Chance verdient, viel Charme ist erhalten geblieben und mit ihnen viele schöne Erinnerungen. Es wird sich zeigen, ob das einmalige Geschäftsmodell, die jüngste Generation der 16- bis 18-Jährigen am Freitagabend ebenso an die Großraumdisko zu binden, wie es jahrzehntelang zuvor geglückt ist. Eine Bereicherung für das Stadtleben wäre es allemal.

von Robin Koppelmann

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