780 Millionen verkaufte Comic-Hefte

Die Fix-und-Foxi-Ausstellung im Wilhelm Busch Museum Hannover huldigt dem deutschen Comic-Visionär Rolf Kauka

Alle auf einen Haufen: Die Fix und Foxi Familie. Foto: Your Family Entertainment AG

Kennt jemand Lupo und Lupinchen, Oma Eusebia und Onkel Fax oder Professor Knox? Sie alle sind Bewohner von Fuxholzen – und waren neben den abenteuerlustigen Füchsen Fix und Foxi – in Deutschland einst echte Comic-Stars. Zu sehen sind diese und ihre Geschichten (auf rund 150 Werken) noch bis zum 26. März 2017 im Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover.

Als deutschsprachiges Gegenstück zur amerikanischen Walt-Disney-Welt konzipiert, startete die Serie im Oktober 1953 – und avancierte zur erfolgreichsten deutschen Comic-Reihe. Der Vater des Erfolgs, Erfinder und Visionär war Rolf Kauka (1917–2000), Sohn eines  einfachen Schmieds, aufgewachsen in Sachsen, Berufsoffizier im Zweiten Weltkrieg. Clever erkannte er sehr früh welche Chancen dieses neue Massenmedium bot. Und verdiente viel Geld damit. Kauka gelang es mit seinen Fix-und-Foxi-Heften die Comic-Kultur in Deutschland aus der Schmuddelecke zu holen. Stets suchte er dabei den pädagogischen Ansatz und verband Unterhaltung mit Erziehung. Den starken Mitbewerber erkannte auch Walt Disney, der Rolf Kauka 1958 nach Kopenhagen kommen ließ um ihm einen lukrativen Vertrag anzubieten. Doch der Deutsche lehnte ab und ging weiter seinen ganz eigenen Weg. Bis zur Einstellung der Fix-und-Foxi-Serie im Jahr 1994 wurden 780 Millionen Hefte mit Spitzenauflagen von über 400.000 Exemplaren einzelner Ausgaben verkauft. 1973 verkaufte Rolf Kauka seinen Verlag für damals unglaubliche 28 Millionen Mark, Ende der 70er Jahre kaufte er diesen dann wieder zurück.

Das Titelbild des Fix-und-Foxi-Sammelband Nr. 67 von ca. 1971, gezeichnet von Branimir Karabajić. Foto: Your Family Entertainment AG

Das Titelbild des Fix-und-Foxi-Sammelband Nr. 67 von ca. 1971, gezeichnet von Branimir Karabajić. In der Ausstellung kann die ganze Comic-Welt von Rolf Kauka erkundet werden. Foto: Your Family Entertainment AG

Die ersten Ausgaben erschienen noch unter dem Namen Till Eulenspiegel, thematisch wurde mit bekannten deutschen Fabeln und Charakteren wie Isegrim oder Reineke Fuchs gespielt. Dabei erschienen die beiden Füchse zunächst sehr naturalistisch und erhielten erst später ihr vertrautes, comichaftes Aussehen. Neben Fix und Foxi entwickelte sich Lupo zur wichtigsten Figur – ein etwas dreister, aber gewitzter und liebenswerter Abstauber –, dem später mit Lupo modern ein eigenes Heft gewidmet wurde. Auf die enorme Nachfrage reagierte Kauka anschließend mit immer neuen Zeitschriftenreihen: Neben Fix und Foxi sowie den dazu gehörenden Charakteren werden in der Ausstellung in Hannover deshalb auch die beliebtesten Zweitgeschichten präsentiert, mit denen Kauka sein Angebot stetig erweiterte; darunter Pauli und Tom und Klein Biberherz. Ab 1965 hielten frankobelgische Lizenzserien wie Gaston, Die Schlümpfe, Lucky Luke oder Spirou und Fantasio über die Fix-und-Foxi-Hefte Einzug auf dem deutschen Markt.

Die ausgewählten Skizzen, Originalzeichnungen der Geschichten und die farbigen Titelentwürfe stammen von verschiedenen Künstlern wie Dorul van der Heide, Ludwig Fischer, Walter Neugebauer oder Vlado Magdić. Zusammen mit Dokumenten und historischem Material ermöglichen sie, die Entwicklung des Comics rund um die beiden Füchse zu verfolgen – von den Anfängen bis zur heutigen Etablierung als Figuren im Fernsehen. Ein wichtiges Stück deutsche Comic-Geschichte zwischen gestern und heute.

Kategorie:Kunst & Kultur, Topstories
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