One Take Wonder aus Braunschweig

Rapper Jonny S. veröffentlicht am 23. Juni die mit seiner Band "The Gäng" in einem Take aufgenommene EP.

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Jonny S. ist der Realness verbunden. Ganz ohne Autotune. Foto: Julius Busse

In Zeiten des Cloud-Rap in denen Rapper wie Money Boy fast jeden Tag ein neues Lied in den Orbit rotzen ist Jonny S. eine erfrischende Ausnahme. Der Braunschweiger Rapper veröffentlichte zuletzt 2016 sein Album Tattoo“, das er per Crowdfunding finanzierte. Als Gegenleistung bot er unter anderem an, gegen Spende seinen Arm zu tätowieren. Ein Jahr später, in diesem Sommer soll nun „Ich will Schuhe II“ folgen, eine Fortsetzung von Jonnys Erstlingswerk. Doch zuerst erscheint am 23. Juni die EP „The Gäng“. Sie steht im krassen Kontrast zu dem, was in der Rap-Szene zur Zeit abläuft: Live eingespielte Instrumentals (echte Instrumente!) statt generische Trap-Beats. Wohldurchdachte Texte mit Situationen aus dem harten Leben statt Poser-Texten à la „Ihr seid scheiße, ich der nice“. Gefühle zeigen, statt Reimketten zählen.

Broke, aber hart dabei, Alan Harper Style — Jonny S.

Auf der EP befinden sich zwei Live-Versionen von Vorab-Singles aus „Ich will Schuhe II“ und drei komplett neue Tracks. Die Texte vermitteln Aufbruchstimmung und den Willen trotz allen Widerständen sein Ziel zu erreichen. Darum geht es unter anderem auf dem Track „Absprung“. „Runner“ handelt davon wie das Umfeld sich ändert und von der Wichtigkeit, sich selbst treu zu bleiben. „Orte“ ist eine mentale Reise von Selbstzweifeln zum großen Triumph. Dass Jonny S. auch Wortspiele und Punchlines hat, zeigt er auf „Money“ und „Realness“. Mit Lines wie „Broke aber hart dabei, Alan Harper Style“ nimmt er die mühsame Suche nach dem Geld mit Humor. „Realness“ ist eine Ansage gegen über Jonny S. Kritikern, die vor allem auf YouTube Hasskommentare schreiben und jeden Rapper an der Silbenanzahl seiner Reime messen.

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Solltet ihr im Auge behalten: Jonny S. im Studio für sein neues Album. Foto: Julius Busse

Hochwertig produzierte Vocals und Instrumentals

Die Instrumentals klingen, genau wie die eingerappten Parts hochwertig, ein qualitativer Unterschied zu den Größen des Rap ist kaum festzustellen. Das Schlagzeug (gespielt von Ingemar Oswald) weiß zu überzeugen mit abwechslungsreichen Rhythmen von Half-Time-Breaks bis zu Rim-Click-Passagen. Auch die Melodien von Gitarren, Bass und Synthesizern (Ole Plönnigs und Mathias Hilges) sind eingängig. Eine Hip-Hop-EP mit echten Instrumenten, aufgenommen in einer Session benötigt großes Know-How. Mitunter vergleichbare Projekte jüngerer Vergangnheit sind höchstens das „Perlen vor die Säue“-Mixtape von Samy Deluxe (2013).

Ein Medienmensch in der harten Realität

Der EP macht deutlich, dass Jonny S. als erwachsener Mann mitten in der oft harten Realität angekommen ist. Er ist Vater und hatte trotzdem den Mut, seinen Job mit 40-Stunden-Woche zu kündigen und stattdessen als „Freischwimmer“ alles auf die Musik zu setzen. Dafür erweiterte er sein kleines Studio-Set und mietete ein 25 Quadratmeter großes Studio an. Wie bereits bei „Tatoo“ arbeitet Jonny S., der selbst Medienmensch ist, mit den modernen Mitteln unseres digitalen Zeitalters um sich seinen Traum zu erfüllen: Seine Songs sind auf allen großen digitalen Plattformen von Amazon Music bis Spotify verfügbar. Er ist auf den Social-Media-Plattformen Facebook, Instagram, Twitter, YouTube aktiv, vertreibt online Merchandise, nutzt Crowdfunding und hat mehrere hochwertige Artist-Webpräsenzen (hier). Auf der Seite wird er auch die EP veröffentlichen.

Bei seinem letzten Album blieb Jonny S. der Erfolg trotz Crowdfunding-Kampagne verwehrt. Die EP lässt jedoch hoffen, dass es beim zweiten Anlauf für den Rapper doch noch klappen könnte mit einer professionellen Musikerkarriere. Gerüchten zufolge soll Jonnys Tag 48 Stunden haben, wobei die Ursache dafür ungeklärt bleibt.

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Jonny S. mit seinen Produzenten im Studio. Foto: Julius Busse

Kategorie:BS-Backstage, Film & Musik, Szene-News, Topstories
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