„Nur das nehmen, was man benötigt!”

Denise Gunkelmann von Wunderbar Unverpackt im Gespräch über ihren Laden, sein Sortiment und ein Leben (fast) ohne Plastik

Denise Gunkelmann, Inhaberin von Wunderbar Unverpackt, will mit ihrem Laden zum Umdenken anregen. Foto: Elif Redzo

Seit dem 3. Dezember gibt es ihn, den ersten Unverpackt-Laden in Braunschweig. In der Fallersleber Straße kann man jetzt also ganz ohne unnötige Plastikverpackungen und daher ohne Abfall einkaufen. Und zwar genau die Menge, die man wirklich braucht. Wir waren neugierig und haben uns mit Inhaberin Denise Gunkelmann über ihr Geschäft unterhalten.

Denise, was ist das Besondere an deinem Laden?
Das Besondere an meinem Laden ist, dass man bei Wunderbar Unverpackt ohne Plastikverpackungen einkaufen kann. Es wird dadurch erheblich weniger Müll produziert. Darüber hinaus kann jeder Kunde die Menge nehmen, die er benötigt – entweder eine kleine Menge vielleicht zum Ausprobieren oder gleich eine große Menge ohne fünf Packungen von etwas zu kaufen oder vielleicht auch eine ganz spezielle Menge für ein Rezept.

Welche Produkte umfasst dein Sortiment?
Mein Unverpackt-Sortiment umfasst neben Müsli- und Flickenzutaten, auch Gewürze, Kräuter, Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Bohnen, Getreide, Mehl und Backzutaten, Tee, Kaffee, Süßes und Salziges, Kakao, Hygieneartikel, Wasch- und Reinigungsmittel. Daneben findet man auch Gläser-Ware. Ich habe sie ganz bewusst mit dazu genommen, weil die Gläser und Flaschen entweder von den Kunden wiederverwendet werden können oder ansonsten zu 100 Prozent recycelt werden.

Von Nüssen, Nudeln, Reis und Backzutaten ist alles dabei. Foto: Elif Redzo

Von Nüssen, Nudeln, Reis und Backzutaten ist alles dabei. Foto: Elif Redzo

Bietest du auch Frischwaren, wie z.B. Eier, Milch und Fleisch, an?
Milch und Milchprodukte gibt es in Pfandgläsern und Pfandflaschen, Käse gibt es frisch an der Käsetheke und natürlich Obst und Gemüse in entsprechender Fülle und saisonal.

Wie läuft die Lieferung ab – auch alles unverpackt?
Die Anlieferung der Waren ist selbstverständlich nicht „unverpackt“ – aber dafür bekomme ich alle unverpackten Produkte in jeweils einem großen Sack (zumeist aus Papier) angeliefert (5, 10 oder teilweise auch 25 kg Säcke).

Wie gewährleistet man die vorgeschriebene Hygiene?
Für die Hygiene ist jeder Kunde ein Stück weit selbst zuständig – wir geben am Anfang eine Hygiene-Info für die eigenen Behältnisse an der Kasse mit. Wir füllen lediglich die einzelnen Produkte in die Behälter und selbstverständlich achten wir hierbei auf die Einhaltung von Hygiene-Standards.

Frisch, lecker und bio: Wunderbar Unverpackt bietet nur saisonal bedingte Früchte an. Foto: Elif Redzo

Frisch, lecker und bio: Wunderbar Unverpackt bietet nur saisonal bedingte Früchte an. Foto: Elif Redzo

Wie schwierig ist es, Hersteller zu finden, die sich an das relativ junge Konzept heranwagen?
Es gibt einige Bio-Großlieferanten, von denen ich die Ware erhalte. Darüber hinaus habe ich auch andere Hersteller für das Konzept gewinnen können, wie z.B. Zotter (Schokolade), Bioteaque (Tee), Eisblümerl (Lebkuchen) oder Hennes’ Finest (Pfeffer). Die meisten sind auch daran interessiert, müssen es aber dennoch irgendwie in ihre Produktionskette einbauen können, dass eben ein paar wenige Großverpackungen anstatt vieler kleiner Verpackungen abgefüllt werden.

Die Umwelt, besonders die Ozeane sind voll mit Plastikmüll. Kann man mit Läden wie deinem ein Umdenken in der Konsum-Gesellschaft erreichen?
Ich denke auf jeden Fall, dass man mit solchen Läden wie meinem ein Umdenken erzielen kann – vielleicht nicht bei allen, aber dennoch bei einem immer größer werdenden Teil der Gesellschaft. Und das ist auch mein Ziel : Ich möchte noch mehr Menschen dazu bewegen, über ihren Fußabdruck nachzudenken und das einzusparen, was man tatsächlich einsparen kann. Auch aus diesem Grund habe ich mein Unternehmen gegründet. Neben mir sollen auch noch viele andere Personen plastikfrei einkaufen können, weniger Lebensmittel-Abfall haben und somit insgesamt Ressourcen einsparen und die Müllentstehung gemeinsam reduzieren.

Inwiefern lebst du auch privat plastikfrei?
Als ich im Urlaub auf Sansibar war, war ich in einer Auffangstation für Meeresschildkröten. Hier war der Einfluss von unserer Plastik-Überflutung der Meere enorm. Auch das war neben meiner schon länger zurückreichenden Intention, etwas verändern zu wollen, ein weiterer ausschlaggebender Punkt, die Idee von meinem unverpackt-Laden tatsächlich in die Tat umzusetzen. Natürlich versuche ich selbst auch so gut es geht, plastikfrei zu leben. Bisher war das leider so nicht ausreichend möglich, denn von Obst und Gemüse vom Markt, das man gerade noch unverpackt kaufen kann, kann man ja nicht nur leben. Und auch das war ein ausschlaggebender Punkt für die Idee zu einem solchen Laden. Ich wusste, dass es solche Läden auch in anderen Städten gibt und irgendwann dachte ich: Braunschweig hat so etwas noch nicht – dann mache ich das jetzt einfach.

Was planst du für die Zukunft?
Ich hoffe, noch mehr Menschen für das Konzept und den Umweltschutz begeistern zu können.

Kurzprofil der Location im Artikel

Fallersleber Straße 36
38100 Braunschweig
DE-


Kategorie: Essen & Trinken
Kategorie:CheckOut, Topstories
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