„Lest bloß nicht zu viel ‚How-To‘-Literatur, sondern werdet selbst zum Akteur“

Social-Media-Experte und Blogger Eric Spruth im Interview über Follower, Snapchat und Social-Media-Skills

Blogger, Social Media Manager und Student: Eric Spruth aus Braunschweig kennt keine Pause. Foto: Privat

Eric, du sagst selber über dich, dass du „Social Media verrückt“ bist. Wie kann man das verstehen?
Wir leben in einer der spannendsten Zeiten, die geprägt ist von vielschichtigen medialen Umbrüchen. Wenn das nicht spannend ist, weiß ich auch nicht. Ich bin deshalb so „Social Media“ verrückt, weil ich als Einzelperson an diesen Umbrüchen teilhaben kann. Noch nie konnten Individuen so viel Einfluss auf die Öffentlichkeit ausüben wie heute. Dieser Trend birgt natürlich auch Gefahren, wie wir an Diskussionen rund um Fake-News und Social Bots sehen können.

 Was macht einen Social Media Manager aus? 
Ein guter Social Media Manager sollte nicht nur beruflich, sondern auch privat Interesse an „Social Media“ besitzen. Jemand der sich im privaten gegen diese Art der Kommunikation verschließt, kann folglich auch beruflich kein guter Social Media Manager sein. Praktische Erfahrungen sind zudem das wichtigste Gut für einen Social Media Manager. Ich habe schon zu oft „How-To“ Literatur von Personen gelesen, die sich nur theoretisch mit „Social Media“ auseinandergesetzt haben, was natürlich keineswegs verwerflich ist. Die praktische und erfolgreich nachgewiesene Arbeit ist aber meines Erachtens, das wichtigste Qualitätskriterium. Das Phänomen „Social Media“ ist mittlerweile schon etwas länger präsent, mittlerweile gibt es auch viele zertifizierte Weiterbildungsmöglichkeiten und auch Unternehmen haben sich mit der Thematik so auseinandergesetzt, dass genaue Zielvereinbarungen und Strategien erarbeitet werden können.

Was für Skills muss ein Social Media Manager haben?
Egal ob ein Social Media Manager in einer Agentur oder einem Unternehmen arbeitet, er muss die Zielgruppe seiner Kunden bzw. seines Unternehmens genau kennen. Nur weil ein bestimmtes soziales Netzwerk gerade „en vogue“ ist bedeutet das noch lange nicht, dass es auch für den jeweiligen Auftraggeber einen Mehrwert bereithält. Dem Social Media Manager sollte zudem bewusst sein, dass jedes soziale Netzwerk seine eigene Nutzungsgewohnheit mitbringt. Ein Nutzer, der auf Facebook unterwegs ist will Nachrichten konsumieren oder unterhalten werden. Jemand der gerade Instagram nutzt will beeindruckende Fotos & Videos sehen. Für mich ist es deshalb kontraproduktiv, die gleichen Inhalte auf Facebook, Instagram, Snapchat, Youtube usw. zu veröffentlichen. Ein Social Media Manager sollte zudem hin und wieder einmal die Konsumentenbrille aufsetzen und sich fragen, ob der Content den er produziert wirklich relevant ist. Die Konsumenten sind nämlich nicht wegen dem Unternehmen in den jeweiligen Netzwerken sondern wegen ihrer sozialen Kontakte, das Vergessen viele. Natürlich muss ein Social Media Manager, um diese ganzen Aspekte umsetzen zu können auch innerhalb des Unternehmens viel Überzeugungsarbeit leisten.

Seit wann bloggst du?
Mit dem bloggen habe ich im Sommer 2014 begonnen. Erst im Zuge meiner Bachelorarbeit, dann mit meinem eigenen Blog (www.ericspruth.de).

Wie viele Leser lesen täglich deinen Blog?
Da ich nur eine Nische bediene, liegen meine Zahlen nicht besonders hoch. Pro Tag sind es ca. 100 Leser. Zuerst hatte ich mir als Zielgruppe die komplette Marketing- und Kommunikationsbranche in Deutschland auserkoren, was natürlich sehr übermütig war. Da ist die Konkurrenz einfach viel zu groß und als Student fehlt einfach die Zeit um das Ganze zu professionalisieren. Mittlerweile versuche ich den Fokus auf die Region 38 zu legen.
Deshalb möchte ich in Zukunft auch eher nur noch Marketing- und Kommunikationspersönlichkeiten aus der Region interviewen bzw. fachspezifische Themen aus der Region behandeln.

Welche Themen behandelst du?
Mein Haupthemengebiet liegt auf Social Media & Content Marketing. Ich publiziere wissenschaftlich aufgearbeitete Themenkomplexe aus dem Masterstudium (Kommunikationsmanagement), interviewe Instagramer, Youtuber & Snapchatter etc. und Persönlichkeiten aus dem Kommunikations- und Marketingbereich.

Kannst du dir vorstellen, hauptberuflich zu bloggen?
Innerhalb eines festen Arbeitsverhältnisses als Social Media Manager/ Mitarbeiter in der Unternehmenskommunikation oder im Marketing gerne, privat eher nicht.

Was würdest du Anfängern raten, wenn sie im Social Media Bereich durchstarten wollen?
Erstellt euch eine Facebookseite, benutzt Instagram, Snapchat oder startet ein eigenes YouTube-Magazin. Probiert aus, lernt und geht in Interaktion mit euren Followern. Lest bloß nicht zu viel „How-To“-Literatur, sondern werdet selbst zum Akteur. Aber hinterfragt auch was ihr tut. Ihr habt ein mächtiges Tool zur Verfügung, wovon frühere Generationen nur träumen konnten. Benutzt es Weise und seid euch bewusst, was ihr anrichten könntet.

Was sind absolute No-Gos im Social Media?
Verwaiste Accounts von Unternehmen, die unterschätzt haben, welchen Aufwand ein aktives „Social Media“ Dasein bedeutet. Inhalte, die niemanden interessieren.

Hast du Geheimtipps, wie man als Nutzer mehr Follower auf Instagram, Snapchat, Facebook und Co. bekommen kann?
Um sich eine echte Fanbase aufbauen zu können benötigt man vor allem viel Authentizität, Geduld, Zeit und auch Geld. Nichts passiert über Nacht, es sei denn ein bestimmter Inhalt wird „viral“, das passiert aber meistens eher selten. Zum Glück hatte ich solche Momente schon etwas häufiger. Ein Meme über den Bachelor aus dem letzten Jahr wurde tatsächlich „viral“ und erreichte ca. knapp vier Millionen Menschen auf Facebook. Das ist schon ein tolles Gefühl. Auch mit meinem Braunschweiger Lokalmagazin BS-Feed (3600 Likes) hatte ich schon virale Erfolge. Es gibt dann aber auch immer mal wieder ein paar Durststrecken, da heißt es dann dranbleiben. Ich glaube deshalb der wichtigste Erfolgsfaktor ist immer aktiv zu bleiben und auch weiter zu machen, wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellt. Pauschal ist es aber schwierig einen Ratschlag auf die Frage zu geben, denn jeder Fall ist unterschiedlich. Bei Fragen könnt ihr mir gerne schreiben 🙂

Apropos Snapchat: Wie schätzt du Snapchat ein? Instagram und sogar WhatsApp haben es nachgemacht und auch eine Art „Mini-Videotagebuch“ eingeführt…nützlich oder unnötig?
Besonders bei der jungen Zielgruppe ist diese Art der Kommunikation gerade sehr erfolgreich. 2013 wollte Facebook, Snapchat ja übernehmen, was Evan Spiegel der Gründer von Snapchat abgelehnt hat. Snapchat hat in den letzten Jahren sehr zum Ärgernis von Mark Zuckerberg an Aufmerksamkeit, Nutzern und Werbekunden dazugewonnen. Im Gegensatz dazu gingen die nutzergenierten Inhalte auf Facebook stark zurück. Im letzten halben Jahr kopierten immer mehr Dienste des Facebook-Konzerns die Funktionen von Snapchat. Besonders Instagram hat das clever gemacht und so viele Nutzer von Snapchat zurückgewonnen.
Snapchat wird, wenn es im nächsten halben Jahr nicht deutlich mehr Innovationen präsentiert wahrscheinlich viel an Börsenwert und Nutzern verlieren.

Wie schätzt du die Region Braunschweig ein für Social Media Manager?
Für mich ist die Region Braunschweig eine der schönsten des ganzen Landes. Besonders in Braunschweig habe ich mich verliebt. Es gibt hier viele Unternehmen und Agenturen, die deutschlandweit ja sogar weltweit einen sehr guten Ruf haben. Ich würde sehr gerne in der Region bleiben und arbeiten.

Hast du schon konkrete Ziele, was du nach deinem Studium machen willst?
Ab September bin ich mit meinem Master fertig. Bei Interesse eric.spruth@web.de 🙂

Wem folgst du am liebsten auf Facebook, Twitter, Instagram und Co.?
• Natürlich meinem eigenen Braunschweiger Lokalmagazin BS-Feed
• Die Braunschweiger Polizei macht wie ich finde einen tollen Job auf Facebook
• Sehr zu empfehlen ist das YouTube-Magazin „Kneipenduell“ vom Lindenwirt
• Auch wenn ich mich nicht Schminke 🙂 elenasmakeup.de
• Tastesheriff
• Marketingclub Braunschweig
• Livelifedeeplynow.de
• Robert Zech / Instagram
• Und natürlich viele der Special-Interest Portale des BZV-Medienhauses

Wie beurteilst du die Zukunft vom Social Media? Was wird da noch auf uns zukommen?
Die Zielgruppen für Social Media Angebote, werden ähnlich wie im Zeitschriftenmarkt immer individualisierter und ausdifferenzierter angesprochen. Es wird eine Reihe neuer Services geben, die bewusst nur kleinere Zielgruppen ansprechen. Trotzdem konzentrieren sich diese Services und Inhalte auf immer weniger Plattformen. Sobald neue Plattformen entstehen werden die Funktionen von den großen Playern kopiert und die Innovatoren verschwinden vom Markt. Schon heute ist der Facebook-Konzern (Facebook, WhatsApp, Instagram, Messenger, Internet.org) das dominierende Ökosystem. Der komplette Werbemarkt steuert auf eine Zweiteilung zwischen Facebook und Google zu. Die Social Media Nutzung wird auch in den nächsten Jahren noch steigen, was auch gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen wird. Spannend zu beobachten wird sein, wie sich die Diskussion um Fake-News und Social Bots entwickeln wird und deren Einfluss auf die kommenden Wahlkämpfe.

Kategorie:CheckOut, Topstories
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