„Hauptsache es knallt“

The Esprits rocken am 29. April 2017 bei Pop meets Classic in der Volkswagen Halle in Braunschweig

Charme, Stil und Sexappeal – The Esprits sind eine der hoffnungsvollsten und engagiertesten Newcomerbands der Region. Foto: Feinschnitt Media

Braunschweigs wichtigste Rock’n’Roll-Band mit viel Stil und Pop-Power sind The Esprits. Seit dem Jahr 2012 im Einsatz, veröffentlichten die energetischen Jungs Anfang 2016 ihr Debütalbum „Stay A Rebel“ und spielten deutschlandweit bereits über 200 Shows. Eines ihrer bislang größten Bühnen-Highlights ist der Auftritt am 29. April 2017 im Rahmen von Pop meets Classic in der Volkswagen Halle. Wir sprachen vorab mit The Esprits-Sänger und -Gitarrist Roman Ritter.

Roman, ihr steht im April vor mehreren tausend Zuschauern auf der Bühne in der Volkswagen Halle. Wie stellt ihr euch denen und euren Sound in ein paar Sätzen vor?

Wir machen Rock’n’Roll in seiner ursprünglichsten Form, aber mit zeitgemäßen Pop-Anleihen. Wir sind aber nicht hart und nehmen auch keine Drogen (lacht).

Mitglieder von Rock’n’Roll-Bands wuchsen oft in prekären Verhältnissen auf, hatten eine schwierige Kindheit, ein zerrüttetes Elternhaus, Probleme in der Schule, mit Alkohol, Drogen, Kriminalität. Muss man solche Abgründe erlebt haben um packende Songs zu schreiben?

Man muss mit ihnen in Kontakt und in emotionale Grenzbereiche gekommen sein, um sich mit ihnen befassen zu können. Musiker müssen sich sowieso oft in Situationen hineindenken in denen sie nicht waren. Ich muss aber keinen Rausch gehabt haben oder verprügelt worden sein, um das Ganze zu verstehen. Ich kann Menschen treffen und ihnen zuhören, die das durchlebt haben – dadurch wird es auch automatisch meine Geschichte und mein Song. Und jedem wurde zum Beispiel schon mal krass das Herz gebrochen – das gehört zum Leben einfach dazu.

Was sind wichtige und wiederkehrende Themen in euren Songs?

Bei unserem Debütalbum „Stay A Rebel“ waren die Themen bewusst so gewählt, das wir nicht anecken müssen. Wir wollten nicht politisch sein. Das zweite Album, an dem wir gerade arbeiten, ist auf jeden Fall kritischer. Auch selbstkritischer. Wir setzen uns mit all dem auseinander, was uns täglich umgibt. Mit den Menschen, ihren Verhaltensweisen, Emotionen und Geschichten. Liebe findet natürlich auch statt, aber nie plakativ. Es gibt eine Million Lovesongs, aber 99,9 Prozent sind davon schlecht. Wir werden die Welt mit unseren Songs nicht verändern, aber wenn nur eine Hörer sich darin wiederfindet, dann reicht das schon.

Smarte Aufstreber im staubigen Gewand. Foto: Veranstalter

Ihr spiegelt die Gefühlslage der jungen Generation wider. Wie tickt diese?

Viele junge Leute gehen so unaufmerksam durchs Leben. Ignorant und selbstdarstellerisch. Das muss Teil der neuen Songs werden. Dieses ganze Social-Media-Getue nervt uns. Das wird die Gesellschaft nicht nach vorne bringen. Uns ist aber bewusst, dass wir Teil dieser Maschinerie sind. Niemand will sehen, dass bei einem unserer Auftritte nur wenige Besucher beim Konzert waren oder dass wir unseren Bus noch selber einladen.

Der Jugend geht es aktuell also nicht so gut?

Doch, der geht es ganz gut, aber wir verlieren uns einfach in dieser Netz-Selbstdarstellung. Alle posten, teilen und kommentieren Dinge, doch niemand steht mehr für das ein, was er da macht.

Ihr habt 2012 begonnen. Wie haben euch fünf Jahre Rock’n’Roll verändert? Was habt ihr gelernt?

Wir haben gelernt, dass wenn man Hilfe angeboten bekommt, das ganz hart zu hinterfragen. Wir haben auf jeden Fall mehr Menschenkenntnis bekommen. Und, das man das meiste einfach selbst machen muss.

Coole Bands wie die Arctic Monkeys, Franz Ferdinand, The Kooks oder Mando Diao haben Spuren bei euch hinterlassen. Warum liebt ihr gerade diesen Sound?

Das ist einfach die Art und Attitüde, wie diese Bands auftreten und spielen. Viele englische und schwedische Rock’n’Roll-Bands haben das einfach verinnerlicht. Man nimmt ihnen ihre Selbstsicherheit sofort ab. Die wissen: Sie sind die Väter beziehungsweise Enkel dieses Sounds. Das finden wir stark.

Kann man sich auch nochmal angucken: Die vier Boys haben sich für Pop meets Classic schon mal in Szene gesetzt. Foto: Veranstalter

Schmale Hosenträger und gut geschnittene Anzüge haben The Hives salonfähig gemacht. Sind die Jungs auch Style-Vorbilder für euch?

Die tragen immer so lange Haare und der eine ist richtig fett (lacht). Tatsächlich fanden wir es immer schon toll, wenn man sich was Schönes anzieht auf der Bühne. Uncool ist dagegen in seinen Schrank zu gucken und irgendetwas davon anzuziehen. Wir tragen immer grüne Hosenträger. Wenn unser Name nicht in Erinnerung bleibt, dann aber unsere Hosenträger. Tatsächlich hat uns aber Muddy Waters auf die Idee gebracht. Ein Gentleman. Diese Oldschool-Blues-Musiker sahen eigentlich immer schick aus.

Ihr habt relativ aufwändige Videos zu Songs wie „No better Place“, „TV Show“ oder „Move like you“ gedreht, die auch auf YouTube laufen. Wie wichtig ist das Visuelle für euch?

Genauso wichtig wie die Musik. Die Videos müssen gut aussehen, damit die Leute darüber sprechen. Wenn das nicht passt, ist es herausgeworfenes Geld. Wir sind sehr engagiert das Ganze von Anfang bis zum Ende mitzugestalten. Es ist faszinierend für uns die Magie, die dahinter steckt, zu verstehen.

Wie schwierig ist es von Braunschweig aus die musikalische Welt zu erobern?

Auf jeden Fall leichter als zum Beispiel in Berlin, wo Millionen von Bands versuchen ein Konzert zu bekommen. Auftrittsmöglichkeiten für Newcomerbands gibt es in Braunschweig aber auch viel zu wenige.

Was waren bisher eure ungewöhnlichsten und spektakulärsten Gigs?

Wir haben mal in Bamberg zwei Stunden lang gespielt um eine Übernachtung zu bekommen damit wir nicht im Bus oder auf dem Boden schlafen müssen. Vor uns saßen seltsame Menschen mit Weizenbiergläsern. In der Pause kam einer zu uns und fragte ob wir leiser spielen könnten, weil sie sich so schwer unterhalten können. Wir haben daraufhin extra lauter und Rock-am-Ring mäßiger aufgedreht und übertrieben – und auf einmal haben uns die Leute gefeiert. Das war sehr skurril.

Kleiner Club, große Halle oder Festival – was macht am meisten Spaß?

Egal. Hauptsache es knallt. Dass es so richtig scheppert geht aber nur zusammen mit dem Publikum. Wenn das einen schlechten Tag hat, springt der Funke auch auf uns nicht rüber. Wenn es anfängt zu fliegen, macht es richtig Spaß.

Ist der Auftritt in der Volkswagen Halle etwas Besonderes oder mittlerweile Routine für euch?

Voriges Jahr saßen wir im Publikum und haben gedacht: „Wow, das wäre was, hier einmal zu spielen“. Jetzt kommt es schneller als gedacht. Das ist eine Wertschätzung für unsere Arbeit – und zeigt dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der Weg ist das Ziel. Ein Gig wird aber nie die Welt verändern.

Kategorie:CheckOut, Konzert-Tipps, newsbox, Topstories
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