Aus der Oi-Skinheadszene an die Chart-Spitze

Die Broilers rocken heute Abend die Volkswagen Halle in Grund und Boden

Düsseldorfs zweite große, kredible und kraftvolle Rock-Truppe neben den Toten Hosen: Die Broilers. Foto: Robert Eikelpoth

Das aktuelle Tourplakat zeigt ein Paar schwere schwarze Springerstiefel und enge, hochgekrempelte Jeans – ein Hinweis auf die Vergangenheit der Broilers. Als die Klassenkameraden Andi Brügge und Sammy Amara 1994 eine Band gründen wollen, sind sie 12-jährige Nachwuchspunks: Wut im Bauch, Schlagzeug und Gitarre, The Clash, Sex Pistols und Die Toten Hosen als Treibstoff und alles mehr eine größenwahnsinnige Vision als eine Musikgruppe. Schnell, noch vor dem ersten musikalischen Lebenszeichen, wird für die beiden der tanzbare Ska und die Attitüde der Oi!-Skinheadszene attraktiver, die Haare kürzer und der branchentypische Bandname Broilers gewählt.

Coole Band, scheiß Name

Mit den ersten Veröffentlichungen „Schenk mir eine Blume“ und vor allem „Fackeln im Sturm“ verdienen sich die Düsseldorfer „Picos“ lorbeerkränzerne Meriten und machen sich einen guten, wenn auch nie sonderlich geliebten Namen. „Damals kannten wir den Begriff überhaupt nicht und als wir ihn kennengelernt hatten, war das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Aber es ist eine lange Tradition deutscher Punkbands, sich Scheiß-Namen zu geben“, erzählt Frontmann und Gitarrist Amara.

Die energetische Truppe nimmt in der Folge Alben auf, mit der sie sich schnell die engen Genregrenzen sprengt: Die Attitüde ist damals wie heute Punk, der Ska und Reggae-Sound kam mit den Skinhead-Wurzeln, die Texte sind zu abstrakt und zu politisch für Oi!, die Refrains sind zu groß für alles. Die Broilers sind Ende des letzten Jahrtausends eine der größten Bands einer Szene, der sie zwar optisch und emotional noch verbunden, eigentlich aber auch schon entwachsen sind. Denn von Anfang an glaubt man in Düsseldorf mehr an Neugier als an Grenzen. Das gilt bis heute – nicht nur musikalisch.

Authentisch und auf Platz 1

Die Broilers sind trotz des großen Erfolgs der letzten Jahre eine der authentischsten Bands des Landes geblieben. Eine klare Haltung trifft bei Sammy Amara (Gesang, Gitarre), Ron Hübner (Gitarre) Ines Maybaum (Bass), Andi Brügge (Schlagzeug) und Chris Kubczak (Keys) auf den Anspruch, als Band mehr zu repräsentieren, als die Summe der eigenen Teile. Es geht um eine Identität, die man selber definiert, mit der man sich wohlfühlt, und um eine ewige Suche. Immer mehr Fans spüren das und zahlen mit bedingungsloser Hingabe und großen Emotionen zurück.

Das wird sicher auch heute Abend, 21. Dezember, 20 Uhr, Einlass 18 Uhr, so sein, wenn die Band die Volkswagen Halle Braunschweig musikalisch abfackelt. Bei ihrem ersten Braunschweig-Besuch im Jahr 2012 verkauften sie die Meier Music Hall aus, 2014 bereits die Stadthalle – jetzt kommen sind sie ganz groß zurück. Mit zahlreichen alten Hits aber auch neuen Songs aus ihrem im Februar veröffentlichten siebten Studioalbum (sic!) mit dem sie direkt auf Platz 1 der Album-Charts schossen.

Reminiszenz an die Vorbilder

„(sic!)“ ist gleichzeitig Reminiszenz an die Vorbilder, Verbeugung vor den Innovatoren, Status Quo und Ausblick. Oder wie Sammy Amara, Sänger, Texter und Komponist der Düsseldorfer Band sagt: „Unser neues Album ist eine Broilers-Best-Of geworden — mit Liedern, die noch keiner kennt. Ein Lieblingsalbum in Gründung! „(sic!)“ zeigt uns, dass wir uns darüber einig sind, wie Punk für uns klingen soll, dass gewisse Dinge thematisiert werden müssen und still am Rand stehen immer die schlechteste Option ist.“ sagt Amara.

Punkrock, Ska, Pop, Singer/Songwriter-Sounds: Alle Elemente, die immer wieder im Sound der Broilers auftauchten, spielen auch hier eine Rolle. „Die Band und das, was sie am besten kann, sind im Fokus.“ Nachprüfen kann man das heute Abend. Im Vorprogramm wird die ebenfalls im Oi!-Umfeld beheimatete Band Booze & Glory, die ihre Homebase in London hat, einheizen.

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