Auf ein Bier mit Bruce Springsteen

Der niederländische Singer-Songwriter Tim Vantol im Interview

Tun, worauf man Lust hat, ist die Message von Tim Vantol. Foto: Jaro Suffner

Früher rockte er in einer Punk-Band mit einer E-Gitarre, heute steht er alleine mit einer Akustik-Gitarre auf den Bühnen in Europa. Tim Vantol, leidenschaftlicher Troubadour aus Amsterdam, liebt das Unterwegssein im Transporter, das unstete Leben in Hotelzimmern, das Spielen vor Publikum, den alten Rock’n’Roll-Traum. Seine Songs sind voll von „Roads“ und „Homes“ und allem, was dazwischen liegt und die Reise so aufregend macht. Ein ehrlicher Storyteller-Singer-Songwriter, der mit rauer, kehliger Stimme seine ganz persönlichen Geschichten erzählt.

Tim, Singer-Songwriter gibt es unzählige. Was sind deine Alleinstellungsmerkmale?

Es fällt mir schwer zu sagen, was besonders an mir ist. Ich tue, was ich tue und das mit 100 Prozent. Ich habe Spaß und bin dankbar für all die Unterstützung, die ich bekomme.

Was macht einen erfolgreichen, zeitgemäßen Singer-Songwriter aus?

Traurig, aber wahr: Es ist das Geld. Es werden so viele Songs im Radio gespielt, bei denen ich denke: Ernsthaft? Oder: Das habe ich doch schon zahlreiche Male gehört. Aber für einen bestimmten Geldbetrag kannst du deine Songs so oft im Radio spielen lassen, dass es sich in die Menschen hinein brennt. Wie wird „Erfolg“ denn definiert? Bin ich bekannter als Ed Sheeran? Natürlich nicht. Aber, wenn man bedenkt, dass ich vor einem Publikum mit fünf Leuten anfing und jetzt vor mehr als 300 Menschen spiele, kann ich sagen, dass mich das schon sehr stolz macht. Aber ich liebe das, was ich mache, ich kann gut leben, habe ein Dach über dem Kopf und täglich Essen auf dem Tisch – das bedeutet Erfolg für mich.

Von wem oder was lässt du dich für deine Songs inspirieren?

Ich lasse mich von meinen Gefühlen, Gedanken, einem Gespräch und manchmal sogar von guten Dokumentarfilmen inspirieren. Es ist alles sehr zufällig.

Wer sind neben Chuck Ragan, Sänger der Post-Hardcore-Band Hot Water Music, deine größten Vorbilder?

Vorbild ist ein großes Wort. Chuck sehe ich nicht unbedingt als mein Vorbild. Sondern als Jemanden, der mir die Augen geöffnet hat, um das zu tun und zu realisieren, was wir tun. Ich kann wertschätzen, was ein anderer macht, aber ich versuche Dinge immer in meiner Art umzusetzen und dabei weniger den Fokus auf andere zu richten.

Würdest du dich als Stimme einer ruhelosen Generation bezeichnen?

Das kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich eine rastlose und ungeduldige Person bin, das würden die Menschen um mich herum bestätigen. Aber ich glaube, ein großer Teil in mir zeigt, dass ich gar nicht so bin. Andererseits leben wir in einer Generation, die sich stark von denen vor uns unterscheidet. Die Arbeitsweise, Familienstruktur und Themen wie die Gleichberechtigung führen dazu, uns selbst mehr zu hinterfragen, anstatt die Dinge so zu nehmen, wie sie sind – was ich gut finde.

Was willst du deinen Zuhörern vermitteln?

Dass sie einfach tun sollen, worauf sie Lust haben. Und sich nicht von anderen sagen lassen, was richtig wäre, weil nur du selbst dich glücklich machen kannst. Dabei sollte man nicht vergessen, um sich zu schauen und anderen zu helfen, wenn Hilfe benötigt wird. Und seid einfach nett zueinander. Das ist die Botschaft.

Mit wem würdest du gerne mal im Studio zusammenarbeiten oder live auf der Bühne stehen?

Mit den grandiosen Songwritern The Avett Brothers und Jason Isbell. Zudem würde ich gerne mit den Donots eine gute Punkrock-EP produzieren. Und vielleicht etwas mit Chuck Ragan zusammen machen. Und ein Bier mit Bruce Springsteen trinken.

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